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Reiz, Stimulation


"Allein die Tatsache, dass ich auf dieser Erde bin und lebe, ist für mich Stimulation genug.
Es braucht oft gar keine zusätzlichen Einflüsse, um mich zu überreizen..."
(Aussage einer HSP)




Lernen aus Reizüberflutung und Überstimulation

Wirf einen Stein auf die Erde: es wird nicht viel geschehen. Der Stein wird keine grosse Spur hinterlassen, er hüpft oder rollt eine Weile und bleibt dann liegen.
Wirf nun einen Stein ins Wasser: dieses kommt sofort in Bewegung, bildet endlose Wellen, die sich ausbreiten, der Stein sinkt tief bis zum Grund, wühlt diesen auf und trübt das Wasser...

Vergleichen wir das erste Bild mit einer 'normalen' Sensibilität, dann wird der "Stein des Anstosses" meistens keine grossen Erschütterungen hervorrufen. Er wird wahrgenommen, darf "anklopfen", wird als wichtig oder unwichtig eingestuft, versetzt jedoch das menschliche System nicht sofort in Aufruhr.

Hochsensible Menschen hingegen gleichen dem Bild des Wassers: Schon eine kleine Störung, ein Erlebnis oder sogar eine plötzliche Freude erschüttern das sensible System, wühlen es auf und haben Konsequenzen - wie Wellen, die sich kreisförmig ausbreiten. Der "Stein" ist in der Lage, tief einzudringen und die Grundfesten der Persönlichkeit zu erreichen.

Wie Wasser zu reagieren, fordert uns hochsensible Menschen täglich heraus. Wir brauchen in besonderem Masse ein gutes Selbstmanagement, welches uns hilft, besser mit Überreizungszuständen umzugehen - und sie möglichst zu verhindern.


Die tägliche Reizüberflutung

Täglich sind wir Menschen unzähligen und verschiedenartigen Reizen ausgesetzt, die unser Nervensystem stimulieren, aber auch überstimulieren können: äussere Reize wie Lärm, Handy, Begegnungen, Anforderungen, unverhoffte Erlebnisse, Geräusche, Situationen, in welchen verschiedene Impulse gleichzeitig auftreten… Oder innere Reize wie Gefühle, Gedanken, Erinnerungen, Ahnungen, Schmerzen, Hunger, persönliche Interpretationen von Situationen...

Einerseits brauchen alle Lebewesen Reize, um wach, gesund und aktiv zu bleiben, andererseits kann ein zu grosses Mass an Reizen gerade bei hochempfindlicher Veranlagung Überlastung und Überstimulation auslösen.

Natürlich können auch Menschen mit 'normaler' Sensibilität nervlich überstimuliert werden. Der Unterschied zwischen Normalsensiblen und Hochsensiblen besteht darin, dass wir HSP den Zustand der Überreizung des Nervensystems schneller erreichen. Unsere Wahrnehmung kann zudem Wichtiges weniger gut von Unwichtigem unterscheiden und tendiert dazu, alles Wahrgenommene zusätzlich "festzuhalten" und tiefer zu verarbeiten.
So kann unsere Reizschwelle sehr rasch erreicht werden, und wir geraten in einen Zustand von Unbehagen oder Stress - bis hin zu physischen oder psychischen Symptomen.

Die heutige Zeit hilft mit, dies noch zu verstärken: 'Reizüberflutung' scheint heutzutage oft geradezu als Arbeitsinstrument eingesetzt zu werden. Nehmen wir - als kleines Beispiel unter vielen - eine Filmvorschau im Fernsehen: die Flut der Bilder ist kaum zu bewältigen. Die spannendsten Pointen laufen in Sekundenschnelle vor unseren Augen ab, begleitet von ständig wechselnden Geräuschen und Musikfetzen - eine Herausforderung für ein hochsensibles Gehirn!

Überreizung unterdrückt hochsensibles Potenzial!

Diese einfache Wahrheit ist uns Hochsensiblen häufig viel zu wenig bewusst! Dabei leuchtet es ein, dass wir in einem Zustand der Überstimulation unsere Potenziale nicht voll ausleben können, sondern sozusagen "auf Halbmast laufen" und vorhandene Stärken unterdrücken.

Man schreibt hochsensiblen Menschen viele mögliche Begabungen zu, welche jedoch nicht zum Blühen kommen können - wenn im Alltag ein überreizter Zustand vorherrscht. Um unsere verschiedenartigen Potenziale wirklich in unser Leben integrieren zu können, ist es daher von grosser Bedeutung, dass wir lernen, Verantwortung zu übernehmen für die Schwächen, die eine hochsensible Veranlagung ebenfalls beinhalten kann, - vor allem aber auch für die Stärken, die in unserem Leben Raum einnehmen wollen.

Reflexionen zu Überreizung / Überstimulation

Werden wir uns also zuerst einmal klar bewusst: Eine differenzierte Wahrnehmung ist eine positive Kraft, kann jedoch durch Überstimulation zum Leiden werden. Wie deine persönliche Wahrnehmung tatsächlich geartet ist, kannst nur du erforschen.
Ein kleiner Tipp dazu: Führe eine Weile lang Tagebuch, beobachte dich in deinem Leben: Wo ist deine Wahrnehmung besonders fein? Welche Sinne sind besonders geschärft? Was stresst und überreizt dich speziell? Was sind tatsächlich deine Stärken und Schwächen? Und was möchtest du gerne verändern? Brauchst du Hilfe dazu? Notiere auch Talente, die du in dir erkennst, Wünsche nach Tätigkeiten, die du dir bisher nicht erlaubt - oder nicht zugemutet hast. So kann mit der Zeit eine gewisse Klarsicht entstehen. Und du lernst, voraus zu denken und schwierige Situationen von Anfang an zu handhaben. Dann erst kannst du auch nötige Veränderungen in deinem Leben angehen.

Überreizung erfordert zuerst einmal "Unterreizung": Sind zu viele Stimuli da, die einen 'überschwemmten Zustand' verursachen, braucht es von uns zuerst einen klaren Entscheid, diesem Zustand ein Ende zu setzen. Das ist gar nicht so selbstverständlich, wie es tönt - aus zwei möglichen Gründen:

Erstens kann der Zustand einer gewissen chronischen Überstimulation mit der Zeit zu unserem normalen Lebensgefühl werden: "so ist das Leben..."
Wahrnehmung ist etwas ganz Individuelles: und wenn wir oft überreizt sind und uns dies nicht immer bewusst ist, wird es zur Gewohnheit - und wir kommen gar nicht auf die Idee, etwas zu verändern, obwohl wir darunter leiden. So kann aus dem persönlichen Lebensgefühl ein chronisches "Leidensgefühl" werden.

Zweitens können wir auf eine Art "süchtig" werden auf das, was uns schadet - im Fall der Überstimulation also süchtig auf das Gefühl des "Gespeedetseins", des "Nonstops", des Gebrauchtwerdens, der dauernden "Action"... So kann im Laufe des Lebens eine Gewohnheit entstehen, über die hochsensible Veranlagung hinwegzugehen, nicht klar hinzuschauen und die Dinge fahren zu lassen.
Daher brauchen wir vielleicht zuerst viel Zeit, uns umzugewöhnen, Verzicht auf unser altes "Lebensgefühl" zu leisten - und zum Beispiel ganz einfach zu lernen, die Agenda nicht mehr zu überladen, uns aus einer Stress erzeugenden Situation zurückzuziehen oder sie zu ändern. Kurz ausgedrückt heisst dies: für uns die Verantwortung übernehmen und für unsere Bedürfnisse zu sorgen.

Sinnvoll sind auch immer wieder neue Phasen der Reflexion: keine Informationsquelle der Welt kann uns alle Fragen über uns selber beantworten. Differenzierte Reflexion ist eine Stärke vieler HSP, nutzen wir sie also auf unsere persönliche Art, um zu ergründen, wie unser hochsensibles Wesen geschaffen ist und wie es sich äussert. Ziehen wir hernach Rückschlüsse und - wichtig! - bleiben wir nicht nur bei der Theorie, sondern suchen wir vor allem nach praktischen Wegen, die neuen Erkenntnisse in unserem Leben zu verwirklichen.

Viele praktische Tipps ...

... findest du unter folgendem Link: Praktische Tipps

Nimm die Anregungen auf, aber forsche auch selber weiter und finde heraus, was dir persönlich am besten gegen Überreizung hilft. Denn niemand kennt dich selber so gut wie du.

Siehe ausserdem unter anderen auch die Kapitel Schutz und Geborgenheit und Abgrenzung.



Dieses Kapitel erschien im August 2021 auch im Blog des Netzwerks-HSP
Letztes Update: 3.10.2021