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hochsensibel unterwegs

hochsensibel unterwegs...

Es kommt mehr darauf an, wie du kommst, als wohin du reisest; deshalb sollten wir unser Herz nicht einem bestimmten Ort verschreiben. Es gilt die Einsicht zum Lebensgrundsatz zu machen, dass man nicht für einen einzelnen Winkel geboren ist, sondern dass die ganze Welt unser Vaterland ist.
Seneca (1. Jh. n.Chr.)

Einerseits entspricht dieser Spruch von Seneca dem ursprünglichen hochsensiblen Wesen, das oft 'grenzenlos' ist und häufig die Tendenz hat, sich gefühlsmässig-intuitiv "in die Welt auszudehnen". Deshalb haben viele HSP Mühe mit Abgrenzung und können sich gerade daher auch oft mühelos einfühlen in andere Menschen und andere Kulturen. "Urgefühle" können auftauchen, wenn man sich in anderen Breitengraden befindet, - fremde Gerüche und Klänge können tief berühren und das Gefühl auftauchen lassen : "hier war ich doch schon einmal...?"

Andererseits sind hochsensible Menschen unterwegs oft ganz besonders gefordert, da sie ihren gewohnten, geschützten Raum auf einer Reise verlassen und sich auf neue Einflüsse aller Art einstellen müssen: Für viele HSP ist dabei Stress vorprogrammiert. Viele von uns kennen ohnehin mehr oder weniger starke Rückzugstendenzen und sind auf die Geborgenheit gewohnter Lebensrhythmen ganz besonders angewiesen. Das vertraute Zuhause kann uns schützen vor Überstimulation, stellt auf eine Art eine "Ersatzhaut" dar, die unsere Dünnhäutigkeit abgrenzt von all den vielfältigen äusseren Einflüssen. Dieser Schutz fällt auf einer Reise ins Ungewohnte weg, und wir müssen lernen, uns ganz besonders gut und sorgfältig zu organisieren: Ein gesundes Selfmanagement ist auf einer Reise also ganz besonders gefragt. (Ein Kapitel "Selfmanagement" wird später folgen.)

Das "Diktat des Müssens"

Damit Ferien und/oder Reisen für hochsensible Menschen nicht zur Überforderung, zu Stress und dauernder Überreizung führen, ist es für sie besonders wichtig, die Reise mit ganz spezieller Sorgfalt hinsichtlich der persönlichen Befindlichkeit zu planen. Oftmals haben wir nämlich überhöhte Erwartungen und Vorstellungen, die so viele unterschwellige 'Forderungen' enthalten, dass die Gefahr der 'Über-Forderung' sehr gross wird.

Der Psychotherapeut und Autor Josef Giger-Bütler schreibt zum Thema 'Ferien und Überforderung' treffende Zeilen, die ich hier (mit Erlaubnis des Autors) wiedergeben möchte (Buch "Sie haben es doch gut gemeint" - Depression und Familie, 2. Auflage 2003, Beltz Verlag, aus dem Vorwort):

"...Ferien sind etwas Erholsames und Beglückendes. Wenn wir uns aber leiten lassen vom "Diktat des Müssens" werden sie zum Fiasko. Der Imperativ, der Ferien zum Stress und den Menschen zum Sklaven macht, könnte etwa so lauten:
"Du musst die Ferien vom ersten Tag an geniessen, du musst Sonne und Meer immer und jederzeit als etwas Erholsames empfinden, du musst glücklich sein und dich erholen können, es muss dir einfach gut gehen, du musst auftanken fürs ganze Jahr, jetzt oder nie hast du die Chance dazu, du musst ein anderer Mensch sein in den Ferien, du musst alles nachholen, was du während des vergangenen Jahrs verpasst hast, und dich rüsten für die trockene und unmenschliche Zeit, die nachher kommen wird, sonst ... ja sonst liegt es an dir, dann bist du unfähig, zu geniessen, loszulassen und dich zu entspannen, dann darfst du dich nicht beklagen, dann bist du daneben, dann stimmt etwas mit dir nicht..."

Giger beschreibt hier auch das Thema der Anpassung an das, was uns "normal" erscheint, - und darunter leiden ja gerade viele HSP sehr häufig. Deshalb ist das folgende Fazit des Autors besonders prägnant, denn es beschreibt auch ganz generell, was uns allen ein wichtiges Lebens-Lernziel sein sollte - nicht nur beim Reisen:

"Wichtig ist, dass der Mensch sich spürt und ernst nimmt, was er will und braucht, dass er spürt, was ihm gut tut, wo seine Vorlieben und Grenzen, seine Möglichkeiten und Schwächen liegen, dass er sich wahrnimmt und respektiert, dass er von sich ausgeht, sich in seinen Entscheidungen mitberücksichtigt und sich als der sieht, der entscheiden kann, der gefragt werden will. Dann kann er etwas verändern, kann er seine Erwartungen zurückschrauben, wieder zu Kräften kommen und sich erholen, dann bleibt er gesund und kann sich entwickeln, dann kann er ja und nein sagen, läuft nicht Gefahr, ausgebrannt, leer und unzufrieden zu werden. Zusammenfassend meint das, dass der Mensch die Möglichkeit und die Fähigkeit hat, sich zu verändern, sein Leben zu überdenken und sein Handeln zu reflektieren." (Josef Giger-Bütler.)

Es ist also von grosser Wichtigkeit, vor einer Reise genau über unsere innere Einstellung der Reise gegenüber zu reflektieren - und auch allenfalls auftretende diffuse Ängste und Unsicherheiten nicht zu übergehen. Die Reise ist als Ganzes anzuschauen und allfällige Problempunkte sind besonders genau unter die Lupe zu nehmen.

Oft müssen wir uns auf Reisen einem ganz neuen Tempo anpassen: Sind wir bereit dazu? Überwiegen Freude, Interesse, "Abenteuerlust"...?

Tipps: Vor der Reise

Selbstverständlich gibt es viele Hochsensible, die gerne reisen und keine Mühe damit haben. Solche HSP können dieses Kapitel überspringen, denn es ist für diejenigen gedacht, für welche Reisen auch Mühe und Angst, Nervosität und Stress bedeuten kann. Für diese Menschen erscheint das Weggehen aus der "sicheren", gewohnten Umgebung gefährlich, - und sie machen sich schon lange zuvor Sorgen, welche so anwachsen können, dass schliesslich die Freude an den Ferien darunter beinahe erstickt. Manchmal sind es auch die vielen Details, die vor einer Reise erledigt werden müssen, welche zu einer Überstimulation - und dadurch zu einem Gefühl der Überforderung führen können.
Eine Leserin brachte diese Gefühle mit einem kurzen Satz auf den Punkt: "...Ich LIEBE es zu reisen und habe jedesmal PANIK..."

Je klarer und stabiler der Reise-/Ferienplan ist, desto klarer und stabiler können sich auch solche "Reisemuffel" fühlen, - es sei denn, die Betreffenden leiden zusätzlich unter einer tiefer liegenden Angststörung. (Es gibt nicht wenige Menschen, die ihr Haus nicht, oder kaum noch verlassen können. Dieses Problem ist hier nicht gemeint.)

Zur Erinnerung: Am liebsten würden wohl viele von uns das "ewige Reflektieren" und die "spezielle Achtsamkeit", welche für HSP notwendig sind, manchmal einfach weglassen. Wir nerven uns, dass wir "immer so aufpassen müssen..." und werden ungeduldig uns selber gegenüber. Der alte Wunsch, "doch einfach 'normal' leben zu dürfen", regt sich wieder einmal. Auch aus diesem Grund gehen wir oft über uns hinweg in die Anpassung hinein - und leiden anschliessend! Es muss uns immer wieder bewusst sein: wir übertreiben nicht, wenn wir uns selber ernst nehmen. Denn wir leben als hochsensible Minderheit in einer unsensiblen Welt, und diese Tatsache können wir einfach nicht wegschieben. Wir sollten vielmehr diese Divergenz zu unserem Wohle auszugleichen versuchen. Je bewusster wir für uns sorgen und unsere spezielle Sensibilität auch schätzen lernen, desto intakter und stärker fühlen wir uns. Und je stärker wir sind (nicht vergessen: eine gesunde Hochsensibilität hat nichts mit Schwäche zu tun!), desto mehr können wir das Leben auf unsere Art geniessen und mit unserem persönlichen Massstab daran teilnehmen. Sollen wir etwa lieber leiden, weil andere unser Selfmanagement vielleicht als "Egoismus" missverstehen?? Nein! Wir wissen es besser.
In diesem Sinne sind die folgenden Zeilen zu lesen.

Merke: Solange du dich nicht richtig auf die Reise freust, ist die Planung noch nicht abgeschlossen!! Packe auch Freude und Optimismus in deinen Koffer. Eine positive Einstellung kann entscheidend zum Erfolg der Reise beitragen.

Tipps: Während der Reise

Merke: Du bestimmst, - lass dich nicht einfach bestimmen.

Sei dein eigener Manager, deine eigene Managerin, lass dir die Dinge nicht entgleiten. Achte rechtzeitig darauf, dass es dir möglichst rundum gut geht. Hab den Mut, ganz zu dir zu stehen.

Tipps: Nach der Reise

Eine Ferienreise ist nach der Ankunft zuhause nicht einfach "fertig". Es ist ein wichtiger Teil der Ferien, wie wir das Heimkommen planen und gestalten. Oft kann der ganze Genuss einer Reise in kürzester Zeit "verloren gehen", wie folgendes Fallbeispiel zeigt:

"Ich erlebte eine wunderbare Woche in den Bergen. Einige Berufskolleginnen und ich hatten diese Woche gebucht und genossen den theoretischen und praktischen Austausch und die Bequemlichkeiten und das gute Essen im Hotel. Das Wetter spielte mit, und wir machten zwischendurch herrliche Wanderungen. Ausserdem lachten wir oft. Ich fühlte mich wirklich gut am Ende der Woche, so ein inspiriertes, schönes, bereichertes Gefühl. Die Heimreise erwies sich dann aber als Stress. Ich hatte im Zug keinen Platz reserviert und musste mit meinem Gepäck durch mehrere Wagen gehen, bis ich einen letzten Einzelplatz in einem Viererabteil erwischte. Ich wollte wieder einmal sparen und 2. Klasse fahren, obwohl ich mir durchaus einmal ein 1. Kass-Ticket hätte leisten können, so selten wie ich in die Ferien fahre. Auch der Abschied von den Kolleginnen verlief abrupt, ich musste plötzlich losrennen und konnte mich nicht einmal von allen richtig verabschieden, weil mein Zug früher fuhr. Als ich endlich in R. ankam, war ich erschöpft und gestresst, und in meiner Wohnung liess ich zuerst einmal alles sausen und spürte vor allem eines: ich war wieder völlig alleine."

Es ist erlaubt, sich erfüllbare Wünsche zu "organisieren", um möglichst sanft wieder im Alltag zu "landen".

Merke: Eine Reise kann die hochsensible "Dünnhäutigkeit" und Verletzlichkeit erhöhen und die zarten Nerven besonders beanspruchen. Geh achtsam und liebevoll mit dir um, damit du die Reise- und Ferienzeit geniessen kannst.

Kommt die Seele bei dieser Geschwindigkeit noch mit??

Fallbeispiele

Fallbeispiel: Weltenbürgerin
"Ich kann mich nur sehr schlecht geographisch orientieren. Wenn ich denke, es gehe nach rechts, geht es bestimmt nach links. Eine Freundin sagte einmal zu mir: "dich kann man einmal um dich selber drehen, und dann weisst du nicht mehr, wo du bist!" Leider hat sie recht! Darum bin ich - allein in fremden Städten - ängstlich und präge mir die Wege hundertmal ein. In München wartete ich einmal auf den Zug zurück in die Schweiz und hatte noch eine Stunde Zeit. Es lockte mich, auf eigene Faust loszuziehen, und ich prägte mir immer wieder ein, bei welcher Leuchtreklame ich den Bahnhof verliess, ob ich beim Zurückkommen nach links oder rechts gehen musste, was für Auffälligkeiten ich mir zur Orientierung merken konnte... Per Zufall hatte ich einen Bahnhofausgang gewählt, der direkt in eine schnurgerade Fussgängerzone führte, - also da konnte ja selbst ich mich nicht verirren! Es war gegen Ende Oktober, und ich ging zuerst recht unsicher durch die herbstliche, leicht neblige Vorabendstimmung. Es roch nach gebratenen Kastanien und heissem Leberkäse - und plötzlich war ich "zuhause". Es packte mich ein ganz tiefes Gefühl der Zusammengehörigkeit mit all diesen fremden Menschen. Einerseits gehörte ich plötzlich hierher in diese Stadt, andererseits hätte ich ewig so weitergehen können bis ans Ende der Welt. Ich begriff, dass mein Wesen eigentlich überall zuhause sein konnte, dass ich "Flügel hatte", dass es nur meine Angst war, die mich davor zurück hielt, eine grenzenlose Weltenbürgerin zu sein."


Fallbeispiel: Reisen als primärer Schock
"Reisen ist für mich im ersten Augenblick eine Art Schock, obwohl ich mich - wenn die Reise jeweils noch in weiter Zukunft liegt - zuerst eigentlich darauf freue. Aber wenn sich das Datum dann nähert, gerate ich sukzessive in Stress und fühle mich, als würde ich zur Schlachtbank geführt. Wenn ich nur schon ans Packen denke! Und an den Widerstand, mein Zuhause zu verlassen. Es geht meistens lange, bis ich mich umgewöhne und all das Neue zu geniessen beginnen kann. Meine Verdauung hat mehr Mühe auf Reisen, mein Schlaf ist schlechter, meine Ängste sind grösser als im Alltag, kurzum: man kann sich fragen, warum ich doch immer wieder Ferien plane. Weil mich das Neue letztlich doch mehr anzieht, als dass mich meine störanfällige, verletzbare Art zurückhält. Ich muss auch mal ausfliegen können, sonst käme ich mir vor wie gefangen. Und wenn ich es geschafft habe, mich einzufügen in einen neuen Rhythmus und mich all dem Neuen zu öffnen, dann kommt meistens auch die Begeisterung zurück - und ich spüre, dass die Welt nicht nur aus meinem Zuhause besteht..."


Fallbeispiel: Sich ernst nehmen
"Jahrelang habe ich zu Ausbildungszwecken an Trainingswochen teilgenommen und immer klaglos alle Umstände des "Gruppenlebens" auf mich genommen: zum Beispiel in einem Zweier- oder Dreierzimmer schlafen, oft sogar im Doppelbett mit einer Trainingskollegin, obwohl ich genau weiss, dass ich dann sehr schlecht schlafe. Es gehörte mit zum Lernen, dass man sich mit anderen auseinander setzte, und ich kam gar nicht auf die Idee, etwas zu ändern, obwohl es sehr belastend war, nie eine Rückzugsmöglichkeit zu haben. Ich hörte in der Nacht jeweils in meinem Kopf das eigene Herz in einem überhöhten Tempo hämmern. Als ich entdeckt hatte, dass ich eine HSP bin, wurde es mir plötzlich klar, dass ich besser für mich einstehen musste, und ich machte die gute Erfahrung, dass man meine Wünsche ernst nahm und mir ein Einzelzimmer zur Verfügung stellte. Es war ein wichtiges Erlebnis für mich zu erfahren: wenn ich mich selber ernst nehme, werde ich auch von anderen ernst genommen."


Fallbeispiel: Flugangst
"Früher galten für mich Ferien, in welchen ich ein Flugzeug benutzen musste, erst als gelungen, wenn ich wieder zuhause ankam. Die ganzen Ferien waren irgendwie überschattet, weil ich wusste, "ich muss nochmals fliegen". Aber dann hatte ich bei einem Flug plötzlich ein wunderbares Erlebnis: in der Enge des Flugzeugs erlebte ich eine Weite, wie ich sie noch selten gespürt habe. Ich wusste plötzlich, dass nichts zufällig geschieht, und dass ich völlig geborgen bin, und dass ich nur abstürze mit dem Flugzeug, wenn mein Leben eben zu einem Ende kommen musste. Dieser Glückszustand war verbunden mit der Sicht, die sich mir durch das runde Flugzeugfenster bot: ich sah das endlose Meer unter mir, und man konnte jede Welle erkennen. Irgendwann entdeckte ich, dass über alle diese kleinen, regelmässigen Wellen gleichsam nochmals eine Welle ging, eine grössere, kaum sichtbare "Grundwelle". Und als wir die Küste erreichten und das Land begann, gingen die Wellen weiter: auch das Land zeigte regelmässige Wellen und ging dann in die Berge über, die ebenfalls aus Wellen bestanden. Es war ein Flug, in welchem ich erkannte, dass ich selber auch ein Teil dieser grossen "Welle" bin, eine kleine Welle in einem unendlichen Ozean. Wenn wir dieses Bewusstsein des Aufgehobenseins mit ins Flugzeug nehmen, kann uns eigentlich nichts mehr geschehen. Seit da habe ich nie mehr Flugangst gehabt."


Fallbeispiel: Seit Jahren geh ich nicht mehr fort
"Ich beneide alle, die fortreisen können, denn ich selber kann das schon lange nicht mehr. Es hat damit begonnen, dass ich bei jedem Wegfahren immer grössere Ängste bekam, dass auch mein Körper zu streiken begann, ich zum Beispiel fast nicht mehr auf's Klo konnte, wenn ich nicht zuhause war oder Bauchschmerzen bekam, wenn ich im Restaurant essen musste. Ich weiss, dass ich eine Angststörung habe, und irgendwann kapitulierte ich eben. Wenn es mir nur zuhause wohl ist, dann bleib ich eben zuhause. Einerseits beneide ich also die freien Menschen, andererseits weiss ich aber auch, dass es mir nur zuhause gut geht, und dann geniesse ich es auch wieder, dass ich mich nicht die ganze Zeit mit Stress auseinandersetzen muss. Aber oft fühle ich mich doch gefangen."


Fallbeispiel: Mut zur Auszeit
"In einer Vierergruppe reisten wir durch Japan. Ich war mit dem Entschluss abgereist, diese Ferien geniessen zu wollen. Und ich empfehle allen, die eine Reise unternehmen, zu Beginn diesen Entschluss zu fassen!! Diese positive innere Einstellung prägt ganz entscheidend den Feriengenuss. Ich konnte jedoch nicht ganz vermeiden, dass es mir auf der sehr vielfältigen und faszinierenden Reisen auch immer mal wieder zuviel wurde und ich in Überreizungszustände geriet. In einem dieser überstimulierten Zustände beschloss ich, mich für einen Tag zurückzuziehen und im Hotel zu bleiben. Ich realisierte innerlich ganz klar, was die "erwachsene Vernunft" oft gar nicht wahrhaben will: dass ich grosse Angst hatte, die andern zu brüskieren, wenn ich nicht mitfuhr auf den geplanten Inselausflug. Und es war wichtig für mich, dies wieder einmal zu realisieren: es gab keinen andern Grund: ich hatte Schiss, mich abzugrenzen!! (Die andern könnten beleidigt sein, es war doch alles so schön geplant und vorbereitet... etc.) Ich nahm all meinen Mut zusammen und blieb alleine zurück. Es war auch dringend nötig: denn als ich mich "kurz hinlegen" wollte um ein halbes Stündchen zu schlafen, fiel ich augenblicklich in einen tiefen Schlaf und wachte erst nach vier Stunden wie neugeboren wieder auf. Die Ruhe in den vier Hotelwänden brachte mich zu mir selber zurück. Diese vier Stunden Schlaf in jenem Hotel waren ein wichtiger Lernprozess für mich: ich hatte wieder einmal hautnah gespürt, wie sich primär alles in mir wehrt, wenn ich "nein" sagen möchte und auf ein ganz einfaches "Recht" poche: mir zu schauen, mich auszuruhen, mich aus einer Gruppe einmal auszulinken. In mir selber liegen diese "Knöpfe" verwurzelt, die ich lösen muss."

...gute Reise!