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Angst

Angst als "menschliches Warnsystem" ist für uns Menschen wichtig und unverzichtbar. Sie kann jedoch auch krankhafte Formen annehmen, was gerade bei hochsensiblen Menschen häufiger der Fall sein kann als bei 'normalsensiblen'. Dies ist nicht erstaunlich: Durch die "dünne Haut" und über Ohren und Augen dringt Angsterregendes schneller und "lauter" ein, es bestehen weniger Schutzfunktionen. Die speziell differenzierte Wahrnehmung nimmt auch Inhalte tiefer wahr, die zu Angst führen können. Gerade bei Kleinkindern können Geschehnisse, die für die Eltern problemlos sind, als traumatisch erfahren werden, so dass man als HSP oft schon in der frühen Kindheit Angstprägungen erfährt, deren Ursprung man jedoch häufig vergisst oder verdrängt. Später fragt man sich dann: warum bin ich bloss so ängstlich, warum diese Panik - oder habe gar eine Angststörung...?


So gründete die Website-Autorin dieses Kapitel zuerst als Austauschmöglichkeit unter Angstbetroffenen. Dies scheint aber ein sehr 'heisses Eisen' zu sein, das nur zögerliche Reaktionen zeigt im Gegensatz zu andern Themen auf dieser Website. "Angstmenschen" schämen sich oft über ihre Ängste und behalten sie lieber für sich.
So wird diesem Kapitel nun sukzessive einerseits Theorie zugefügt, und andererseits besteht weiterhin nach wie vor die Einladung zum Austausch und zum Beitrag von eigenen Erfahrungen und Tipps:

1. Hochsensibilität und Angst
2. Infos, Links
3. Angstforum/Austausch:


© M. Schauwecker

Wichtig: Dieses Kapitel richtet sich nicht an Menschen, die durch eine Angsterkrankung psychisch schwer krank sind, die z.B. keinen Schritt mehr aus dem Haus gehen können, die suizidal sind, die unter starken Medikamenten stehen oder sich in psychiatrischer Pflege befinden o.ä.
Solche Mitmenschen gehören unbedingt in therapeutische/ärztliche Hände.


1. Hochsensibilität und Angst

Die Angstforschung hat - abgesehen von der primären wichtigen Schutzfunktion, welche Angst für uns Menschen hat, den psychologischen Bereich der Angst erforscht und dabei auch positive Seiten der Angst entdeckt. Der "Spiegel" hat zum Beispiel für einen, zwar älteren, aber nach wie vor aktuellen Artikel über Angst einen ungewöhnlichen Titel gewählt: LOB DER ANGST. PS: Es lohnt sich, diesen Artikel unter folgendem Link zu lesen: Spiegel, "Lob der Angst"


Es ist in diesem Artikel u.a. von "hochreaktiven Menschen" die Rede, deren Anteil an der Bevölkerung 15-20 Prozent sein soll, ein Prozentsatz, der ja auch den Hochsensiblen zugeschrieben wird. Viele Ausdrücke für ein- und dasselbe? Wenn auch "Hochreaktivität" und "Hochsensibilität" nicht ganz deckungsgleich sein sollten, so nehme ich an, dass zumindest ein starker Zusammenhang besteht zwischen den beiden Phänomenen.

Jedenfalls ist anzunehmen, dass der Prozentsatz von Hochsensiblen, die mit Ängsten kämpfen oder an einer Angststörung leiden, höher ist als derjenige von Normalsensiblen. Denn ein hochsensibles Kind mit seiner speziell "dünnen Haut" nimmt vom Lebensbeginn an alle Einflüsse der Aussenwelt viel intensiver, lauter, schockierender und eindringlicher wahr als ein normalsensibles und reagiert darum auch stärker. "Laut" kann in hochsensiblen Kinderohren als "überlaut" ankommen, - ein Erschrecken wird schneller zum Schock oder gar zum Trauma… Da verwundert es nicht, dass hochsensible Menschen tatsächlich häufig von Angst und auch Angststörungen berichten.
Gerade im sehr jungen Alter fehlt einem Kind oft noch das Verständnis für äussere Geschehnisse, - es wird davon überwältigt - je sensibler, desto stärker. Diese Geschehnisse können auch ganz subtil und unauffällig ablaufen. Fehlt dann zusätzlich noch das Verständnis der Bezugspersonen oder der Umwelt ("…du musst doch keine Angst haben!"), kann sich ein Lebensgefühl von Ängstlichkeit und Unsicherheit, Schüchternheit oder Zurückhaltung entwickeln, - manchmal ohne dass man als hochsensibler Mensch so ganz genau weiss, warum das so ist. (Es sei denn, man habe klare Erinnerungen an Schocks und Traumata, - welche natürlich bei Hochsensiblen auch entsprechend tief gehen können.)
Darum: hab Verständnis für dich selber, wenn du an Ängsten leidest, verurteile dich nicht, aber gib auch nie auf, Wege aus der Angst zu suchen.


2. Infos, Links

Kennst du selber einen guten Link, Artikel etc. - oder ein Buch, dass geholfen hat? Schicke deinen Tipp an diese Website!

3. Angst-Forum/Austausch

Diese Website verfügt über kein Chat-System, du kannst dich also selber nicht direkt eintragen.
Schicke deinen Bericht, deinen Vorschlag, deinen Tipp zur Angstbewältigung - oder deine konkrete Frage zum Thema Angst an diese Website, indem Du das KONTAKTFORMULAR anklickst. Die Website-Autorin wird deinen Bericht dann ins Forum eintragen.
Erwähne deinen Vornamen - oder wenn du anonym bleiben willst - einen Nicknamen.

Tipps werden in eigener Verantwort übernommen. Schau dir gut, achte auf deine Befindlichkeit, überfordere dich nicht.
PS: Werbung für Medikamente gegen Angst werden nicht veröffentlicht. Im Zentrum stehen hier Tipps zum Aktivwerden und zur Eigeninitiative. Für Mittel/Medikamente bitte ärztlichen Rat einholen.


EURE TIPPS:


Tanja: Entspannungstechniken, Atemübungen, Meditation und Yoga können sehr hilfreich für Hochsensible sein, weiß ich aus eigener Erfahrung! Viele Grüße

Cristina: Lernen sich bewusst zurückzunehmen- zurückzuhalten - sich Pause extra nur für sich zu nehmen (sogar für Tage)- bis man wieder die Kraft hat “anderen zu begegnen”. Sich das am Anfang einzugestehen, ist nicht so ganz einfach- auch für introvertierte Wesen.
​​​​​​​

Margrit: Was mir geholfen hat, als ich Panikattacken hatte: Buch von Klaus Bernhardt: "Panikattacken und andere Angststörungen loswerden." Auf seiner Website gibt es auch einen Videokurs, ca. 130 Euro, den habe ich angehört - ganz toll!

Ralph: Beitrag zum Thema Angstbewältigung: Meine Erfahrung ist dass je nach Ursache die ja individuell verschieden sein kann folgende Dinge helfen können:

Wird die Angst durch mein Denken ausgelöst, genährt oder verstärkt: Überprüfen wie realistisch sind meine Gedanken, bin ich im Jetzt oder in der Vergangenheit oder der Zukunft? Fokus ändern und gezielt ab- bzw. anderem distanzierendem zuwenden was meine Aufmerksamkeit fordert.

Kommt meine Angst durch einen geistigen Einfluss der nicht von mir kommt: Gezielt, laut eine Entscheidung dagegen und bewusst keine weitere  Aufmerksamkeit geben sondern anderem positivem zuwenden.

Bin ich gläubig, christliche Unterstützung hinzunehmen (gemeinsames Gebet).

Bin ich ein beziehungsorientierter Mensch so helfen sozial Kontakte denn die reduzieren Stress und ermöglichen durch Austausch bessere Stressverarbeitung.

Jede Art von Angst ist in gewisser Weise auch Stress. Positiv wie negativ. Der Level und ob plus oder minus kann von meiner Bewertung beeinflusst sein.

Generell hilft aber bei Angst, wenn jetzt nicht die Zeit ist um tiefer zu gehen oder sich groß auszutauschen: Ein erstes kurzes innehalten und wahrnehmen was läuft gerade bei mir ab? Innen/Außen. 

Gibt es keinen fassbaren Grund so können Körperübungen helfen die man zu Not auch auf der Toilette macht. Ist man allein um so besser.:
Abklopfen mit der flachen Hand den ganzen Körper.
Luft durch die Lippen blassen brrrrrrr. Augenkreisen links und rechts rum.
Pendelschritt ganz breitbeinig mit Gewichtsverlagerung nach links rechts als ob man ständig über ein tiefes Bächlein mit einem Bein springen müsste. Das wirkt auf die Gehirnhälften.
Mit den Ellbogen eine Große Acht in die Luft zeichnen abwechselnd linker rechter Ellbogen und wieder holen.
Oder abwechselnd mit der flachen Hand links rechts auf die Oberschenkel klatschen.
In eine Zitrone beisen für einen starken Fokus Wechsel.
Mit den Fingern mit dem Daumen abgewechselnd jeden anderen Finger berühren und Hand wechseln.
Parallel Lieblingsmusik mit voller Lautstärke und Kopfhörer hören um evtl. negative sich wiederholende Gedanken loszuwerden.
Oder aufrecht stehen und abwechselnd eine kräftige Arm/Handbewegung nach hinten machen so als ob ich jetzt die Angst wie einen kleinen greifbaren Gegenstand immer wieder mit Entschlossenheit über meine Schulter werfe.

Diese Übungen alle nacheinander oder auch kombiniert 30 min intensiv gemacht sollten zu einer spürbaren Minderung oder gar Verlust der Angst des Augenblicks   führen.

Website-Autorin Marianne: Danke Ralph, für den tollen Beitrag! Zur Bemerkung, dass Angst auch Stress bedeutet: Es gibt im Internet eine Menge Tipps zur Stressbewältigung, die daher auch bei Ängsten helfen könnten.

Amelie: seit geraumer Zeit leide ich unter dem Gefühl "nicht gut genug zu sein" und habe Angst, dass mich meine Freunde und Verwandte ablehnen könnten, wenn ich nicht immer gut gelaunt bin und nicht immer auf ihre Bedürfnisse achten kann. Da sich diese Angst immer weiter zugespitzt hat und ich gemerkt habe, dass ich immer mehr soziale Situationen deswegen vermieden habe, beschloss ich eine Therapie zu machen. Diese hat mir sehr gut geholfen. Gemeinsam mit meiner Psychotherapeutin entwickelte ich u.a. die Methode, einen bestärkenden Brief an mich selbst zu schreiben, der mir in sehr schwierigen Zeiten eine sehr gute Hilfeleistung ist. In diesem Brief habe ich motivierende und liebevolle Worte an mich selbst gerichtet und darauf aufmerksam gemacht, dass ich auch liebenswert bin, wenn es mir mal nicht gut geht. Ich habe den Brief sowohl auf Papier geschrieben, als auch in einer Audionachricht aufgenommen. So kann ich je nach körperlicher Verfassung wählen, ob ich ihn mir selbst vorsprechen möchte oder ihn lieber lesen will. Immer wenn ich den Brief hervorhole und ihn lese (bzw. höre) rührt er mich zu tränen und erinnert mich daran, dass ich liebenswert bin. Für mich ist das eine sehr gute Methode mit meiner Angst klarzukommen. Vielleicht gefällt diese dem ein oder anderen auch und mag sie ebenfalls in Bezug auf die eigene Angst ausprobieren.  

Website-Autorin Marianne: Ein Tipp: Stell dich einmal vor den Spiegel und schau deine Körperhaltung und deine Gesichtsausdruck an: Siehst du Angstzeichen wie hochgezogene Schultern, geduckte Haltung, aufgerissene Augen...?
Verändere dann langsam deine Haltung bis hin zum Bild, wie du dich als kraftvollen Menschen mit weniger Ängsten sehen würdest. Unsere Haltung kann auch einen Einfluss auf unsere Gefühle haben.

Leo: gute Idee, dieses Forum, keine langen Angstgeschichten, sondern positive Tipps: Mein Tipp mag komisch klingen und ist vielleicht nicht für alle nützlich. Ich habe herausgefunden, dass unter den meisten von meinen Ängsten die Todesangst liegt. So setze ich mich oft mit dem Tod auseinander (z.B. tibetanisches Totenbuch). Und das brutale Wissen, dass ich garantiert auch einmal sterbe hilft mir gegen die Angst. Ich weiss dann, dass ich noch so Schiss haben kann: ich sterbe nicht wegen der Angst, sondern dann, wenn es dann eben sein muss. Also kann ich gerade so gut meine Tage jetzt geniessen, als mich ständig zu ängstigen!!

Mima: Mir hilft es, dass ich eine gute Psychotherapeutin gefunden habe, ich brauche eine Bezugsperson und kann das nicht alleine. Aber ich musste lange suchen, man muss bei der Suche Geduld haben.

mila68: Mir hilft auch Therapie, und zwar Verhaltenstherapie. ich habe keine Ahnung warum ich Phobien habe, woher das kommt. Es begann einfach einmal und wurde immer schlimmer, besonders die Platzangst. Bei der Verhaltenstherapie ist der Grund weniger wichtig, man übt andere Verhaltensweisen und Strategien ein und ersetzt damit langsam die Angstmuster und Reaktionen. Bei mir hilfreich!

Website-Autorin Marianne: Die Bücher von Eckhart Tolle, "Jetzt die Kraft der Gegenwart" und "Eine neue Erde", machten mir klar, dass Angst abhängig ist von wiederkehrenden Gedanken über die Vergangenheit und die Zukunft und geben Anleitung, wie man von diesen, oft unrealen Gedankenkarussells weg kommt und lernt, im momentanen Augenblick zu sein: "Jetzt - die Kraft der Gegenwart" und das das dazu gehörende Übungsbuch "Leben im Jetzt", "Eine neue Erde" (mein Favorit:-).

Chr.Wag: Eckhart Tolle, mein stichwort! Er ist auch in talks im internet zu finden! Mir wurde durch ihn klar dass hinter meiner angst eine riesige wut hockt!! Herausfinden, was wirklich hinter der angst steckt ist mein tipp an euch!!

Elfrida: Ich freue mich hier über einen regen, spannenden Info Austausch. Ich stehe seit Jahren unter Dauerstress. Das versuche ich natürlich zu beheben. Mir hilft Lavendelöl sehr gut.

Susika Lori: mach es wie ein Delphin .... schwimm näher ran und schau genau was Dir Angst macht, oft merkt man dann das es unbegründet ist.

Elisabeth. P.: Angst ist der Gegenspieler von Vertrauen

Nana56: Ja, Angst schliesst wirkliches Vertrauen aus, aber was macht man damit, wenn man seit langem eine Angststörung hat, ich kann ja nicht sagen, so jetzt habe ich einfach mal Vertrauen. Es muss von innen nach-wachsen. Ausserdem geht es nicht um Vertrauen in andere Menschen, sondern um Vertrauen in sich selber, dass man sein Leben schafft. Meine Erfahrung ist dass Vertrauen ins Leben nur wachsen kann, wenn man sich wirklich darauf einlässt, die Gründe der Ängste und Trauma etc. mit therapeutischer Hilfe zu erforschen, möglichst mit einer Therapie, die auch den Körper mit einbezieht, denn oft verdrängt man alte Sachen, aber der Körper vergisst nicht. Man muss Geduld haben und den Willen, alte Angst auch loszulassen. Viele sagen, das Wühlen in der Vergangenheit bringt nichts, aber ich habe da andere Erfahrungen gemacht, mir bringt es sehr viel, und ich habe sehr viele Schritte machen können.

Thorsten: Meine Erfahrung ist, dass der spirituelle Weg die besten Heilchancen hat. Wenn du mal weisst, dass dein kleines Leben nicht so zentral ist wie du meinst, wird es besser, dann entsteht ein Gefühl der Einheit mit allem auf der Welt. Gründe der Ängste (und ich hatte viele) sind oft das Getrenntsein vom Ganzen.

B.R.: Wenn ich die Ratschläge bis jetz lese find ich sie zwar gut. Aber habt mal eine richtige Panikattacke, da nützen alle Ratschläge nichts mehr:-(.

Rosa B. ich habe "panikattacken aus dem nichts", ich kenne den grund nicht, konnte aber nicht mehr alleine rausgehen. mein partner hat mir geholfen, indem er kein mitleid hatte sondern mir knallharte fragen gestellt hat und ich antworten musste: kennst du diesen zustand? sag dass er ein verhaltensmuster ist, dass du das gut kennst. dass du noch immer wieder aus dem zustand rausgekommen bist etc. das konfrontiertsein mit der realität hilft mir dass die attacken immer kürzer werden.

Nicola: Wow, lest den Artikel "Lob der Angst", siehe Link oben, der macht Mut. Und es ist wirklich so - und drum mein Rat an alle: aus der Angsversteinerung rauskommen kann man am besten durch kreatives Schaffen!! Malt, dichtet, zeichnet, komponiert!!! Ihr könnt damit beginnen, eure Angst kreativ zu bearbeiten!!

M.A.: Als ältere Frau realisiere ich erst jetzt einen Grund, der wahrscheinlich mitgeholfen hat, mich zum überängstlichen Menschen zu machen: Ich habe extrem hochsensible Ohren. Meine Reaktionen auf Geräusche werden von meinem Umfeld als "total übertrieben" wahrgenommen. Wenn irgendwo z.B. eine Türe zukracht, dann dringt das direkt und tief in meinen Körper ein. Ich habe jedesmal das Gefühl, in die Magengrube geboxt zu werden, und das Herz steht beinahe still! Es ist eine starke körperliche Reaktion auf Geräusche aller Art. Da wurde mir klar, wie das für mich als Kind gewesen sein muss. Ein Kind mit so empfindlichen Ohren kann sich ja vieles noch nicht erklären und wird wahrscheinlich nur schon sehr ängstlich, weil es so viel häufiger schockartig erschrickt in Situationen, die für andere nur ein Klacks sind. Ein Tipp ist das zwar nicht, aber ich finde es auch wichtig zu erkennen, dass Gründe für Ängste auch über die Sinnesorgane entstehen können. Man kann dann z.B. bei hochsensiblen Kindern besonders achtsam sein in dieser Beziehung.

Claudia: Angstbewältigung durch innere Kinderarbeit und mit Hilfe von Meditationen



Neues Leben wächst unter der Angst-Versteinerung hervor


Letztes Update: 25.2.2022