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Sind hochsensible Menschen anfälliger für psychiatrische Erkrankungen wie z.B. Schizophrenie?


Dieses Kapitel möchte auf eine schweizerische Stiftung zur Förderung der Früherkennung von Schizophrenie hinweisen. Ein betroffener Vater, dessen junge hochsensible Tochter an Schizophrenie erkrankt war und ihrem Leben ein Ende gesetzt hatte, hat diese Stiftung gegründet - in der Überzeugung, dass im Bereich der Psychosen eine Früherkennung möglich wäre - und somit Jugendliche vor dieser schweren Erkrankung bewahrt werden könnten.

"Schizophrenie - ich doch nicht!" mögen einige denken - und "was hat das mit dem Thema Hochsensibilität zu tun?" Wir haben im gemeinsamen Austausch die Vermutung geäussert, dass Menschen, die an Schizophrenie erkranken, mit einiger Wahrscheinlichkeit hochsensibel sein könnten.

Dabei sei klar betont, dass es sich hier wie gesagt lediglich um eine Vermutung handelt, also um eine Annahme, für welche unseres Wissens statistische Unterlagen bislang fehlen (2018).

Wir empfinden es aber als wichtig, auf dieses Thema hinzuweisen und es bekannter zu machen: Über Schizophrenie gibt es viele falsche Vorstellungen und Vorurteile. Viele Menschen distanzieren sich von solchen Erkrankungen - im Glauben, dass sie das nie etwas angehen wird. Und doch kann es theoretisch uns alle plötzlich etwas angehen, wie es zum Beispiel Selins Familie erlebt hat.

Selins Stiftung - gute Stimmen gegen böse Stimmen

Selin (Foto Mangisch)

Selin war eine hochsensible, hochdifferenzierte und künstlerisch begabte junge Frau, die an Schizophrenie erkrankte. Im Schweizer Fernsehen wurde vor einigen Jahren ein Film ausgestrahlt über ihre Erkrankung und ihren Gang in den Tod.

Selins Vater ist überzeugt, dass seiner Tochter hätte geholfen werden können, wenn man die frühen Anzeichen ihrer beginnenden Krankheit erkannt hätte. Ist die Krankheit jedoch einmal ausgebrochen, ist es zu spät.

Die Website www.selins-stiftung.ch widmet sich der Früherkennung der Schizophrenie. Die Stiftung hat zum Ziel, die Kommunikations- und Netzwerkarbeit zur Erkennung von schizophrenen Erkrankungen bei gefährdeten jungen Menschen zu fördern. Dabei verfolgt sie drei Ziele:

1
Breites Erreichen eines Zielpublikums mit potentiell Betroffenen und ihrem sozialen Netz und nachhaltige Sensibilisierung für die Problemstellungen.

2
Aufzeigen von Möglichkeiten der Abklärung, Beratung und Behandlung zur Vorbeugung respektive Frühintervention bei durch Schizophrenie gefährdeter Entwicklung und Vermittlung von Vertrauen und Hoffnung in hilfreiche Problemlösungen.

3
Berücksichtigung von wissenschaftlich begründeten Methoden und von Erfolg versprechenden alternativen Hilfestellungen. Die Stiftung initiiert, koordiniert und finanziert dazu Projekte, Kampagnen und Produkte, welche zeitgemässe respektive neue Medien berücksichtigen (Presse, Hörfunk, Film, TV, Werbung, Multimedia, Internet). Die Stiftung äufnet ihre Mittel über Beiträge von Dritten und regelmässigen medienwirksamen Benefizanlässen.

Infos und Links auf der Website von Selins Stiftung

Auf der Website von Selins Stiftung gibt es eine wissenschaftliche Abhandlung von Dr. med. Andor E. Simon (Oberarzt Klinik Bruderholz/Baselland, Externe Psychiatrische Dienste, Leiter Spezialsprechstunde zur Abklärung und Behandlung psychotischer Frühphasen): ÜBER DEN MYTHOS DER SCHIZOPHRENIE mit folgenden Themen:

Ebenso finden sich auf der Website Adressen, Literaturangaben, Links zum Thema, der Film über Selins Tod und anderes.

www.selins-stiftung.ch

Hochsensibilität und psychiatrische Erkrankungen

Schizophrenien gehören zu den selteneren Krankheiten (nach der oben erwähnten Abhandlung erkranken pro Jahr ca. 10 bis 20 Menschen pro 100'000 Einwohner an einer schizophrenen Psychose). Dieser Beitrag soll darum also keineswegs bei hochsensiblen Menschen Ängste wecken, dass sie nun plötzlich ein hohes Risiko hätten, an einer Schizophrenie zu erkranken. Hochsensible Menschen sollen nach bisherigen Aussagen immerhin 15 bis 20 Prozent der Weltbevölkerung ausmachen.

Möglicherweise sind aber hochsensible Menschen (z.B. wegen ihrer speziellen Art der Wahrnehmung, ihrer Tendenz zur Überstimulierung oder wegen den hohen Anforderungen an Hochsensible, sich an die "normale Welt" anzupassen) generell anfälliger für psychiatrische Erkrankungen. (Für statistische Aussagen fehlen meines Wissens gegenwärtig noch wissenschaftlich erhärtete Untersuchungen.)

Zu dieser These ein Beispiel zu einer anderen psychiatrischen Erkrankung, der Borderline Persönlichkeitsstörung: An einem Symposium (Herbst 2001) zur Borderlinestörung erwähnte Prof. Dr. med. Martin Bohus, dass es zur Entwicklung einer Borderline Erkrankung zwei Voraussetzungen brauche: 1. eine genetische Veranlagung und 2. eine Traumatisierung.
Sicher wäre es interessant und sinnvoll, hier wissenschaftlich zu forschen, ob eine Verbindung bestehen könnte zwischen dieser "genetischen Veranlagung" und "Hochsensibilität als Veranlagung" - gemäss den Forschungen von Dr. Elaine Aron.

Auf jeden Fall macht es Sinn, in vermehrtem Masse die Aufklärungsarbeit bezüglich Hochsensibilität zu fördern und diesbezügliche wissenschaftliche Forschungen zu unterstützen, damit Hochsensibilität in Zukunft in zunehmendem Masse auch von der psychologischen Wissenschaft als ernstzunehmender Faktor anerkannt wird.
M.Schauwecker

Beitrag einer Leserin

14.10.15

Sehr geehrte Frau Schauwecker,

ich finde es sehr interessant, dass Sie den Mut haben, (mögliche) Zusammenhänge zwischen Schizophrenie und HS anzusprechen. Dieses Thema beschäftigt mich selbst gerade, denn vor ein paar Jahren wurde bei mir eine Schizophrenie diagnostiziert, nachdem ich infolge jahrelanger Auseinandersetzung mit verschiedenen "Baustellen" in meinem Leben schlichtweg psychisch zusammengebrochen bin.

Im vergangenen Jahr habe ich dann angefangen, einfach mal ehrlich über meine Erkrankung nachzudenken und habe dabei erkannt, dass die Symptome erstens nur "übertriebene" Wahrnehmungs-, Denk- und Verhaltensweisen von mir sind, die ich eigentlich schon immer hatte (z.B. Stimmungen und feine Details wahrzunehmen, viel nachzudenken, mich schnell von Sinneseindrücken überfordert zu fühlen) und dass sie zweitens auch logisch aus den Ereignissen der letzten Jahre ableitbar sind.

Konsequenterweise habe ich dann begonnen, ordentlich "aufzuräumen" und bin seitdem komplett symptomfrei.

Als mich drei Personen unabhängig voneinander angesprochen haben, ob ich nicht hochsensibel sein könnte, habe ich angefangen, mich mit dem Thema zu beschäftigen, z.B. habe ich das Buch "zart besaitet" gelesen. Wow!
Natürlich passt nicht alles, aber doch sehr vieles. Viele Irritationen konnte ich rückblickend verstehen und Ungerechtigkeiten verzeihen.

Ich habe ja immer gemerkt, dass ich anders ticke, weiß jetzt aber, warum und habe dadurch auch den Mut gefunden, das zu kommunizieren. Das hilft mir sehr, weil mich auch mein Umfeld besser versteht.

Jetzt erarbeite ich gerade mit Hilfe einer Therapeutin geeignete Maßnahmen, um mit meinen hochsensiblen Anteilen gut umgehen zu können.
Ich hoffe, dass ich zukünftig nicht mehr psychotisch werden muss.

Bei meinen Recherchen zu den Themen Schizophrenie und HS sind mir gewisse Parallelen auch schon aufgefallen. Da auf vielen HS-Websites aber darauf verwiesen wird, dass das eine nichts mit dem anderen zu tun habe, war ich bislang sehr zurückhaltend.

Darum habe ich Ihren Artikel wirklich mit großem Interesse gelesen.

Beste Grüße, U.W.

Antwort der Website-Autorin:

Sehr geehrte Frau W.

Ihre Mail hat mich gefreut, und ich drücke Ihnen ganz herzlich die Daumen, dass Ihre Gesundheit weiterhin stabil - im Sinne von "hochsensibel-stabil" bleibt.

Auf die Idee, über dieses Thema zu schreiben, brachte mich der Initiator der Website www.selins-stiftung.ch, der Vater von Selin im entsprechenden Artikel. Er forschte im Internet und gelangte dabei auf meine Website: er selber sah bereits Zusammenhänge zwischen der hohen Sensibilität und Empfindlichkeit seiner Tochter - und ihrer späteren Erkrankung an Schizophrenie.

Natürlich war uns klar, dass es unwissenschaftlich von mir gewesen wäre, diese Zusammenhänge einfach zu "behaupten". Hochsensibilität ist ein junges Forschungsthema, und eine wissenschaftliche Anerkennung ist noch nicht erreicht, das dauert ja bei jedem "neuen Thema" lange. So müssen wir, die wir uns um das Thema kümmern, vorsichtig sein, dass das Thema nicht in die Esoterik abgleitet. Ich bin daher generell zurückhaltend mit Behauptungen. Vielleicht haben Sie bemerkt, dass ich schon im Kurztitel ein Fragezeichen gesetzt habe und vorsichtig von 'Annahme' spreche.

Aber dennoch: Persönlich überzeugen mich diese Zusammenhänge - und daher bin ich froh um Ihre differenzierte Beschreibung. Sie nennen z.B. den Ausdruck "übertriebene" Wahrnehmungs-, Denk- und Verhaltensweisen, was ich hundertprozentig nachempfinden kann, auf der theoretischen wie auf der persönlichen Ebene. Eine derartige - nun positiver ausgedrückt - 'hoch entwickelte' Wahrnehmung führt dann eben auch schneller zu einer Überforderung durch zu viele Sinneseindrücke. Kommen noch Dauerstress und ev. auch noch belastende Kindheitserfahrungen dazu, steigt meiner Ansicht nach die Wahrscheinlichkeit, dass ein hochsensitives menschliches System eben auch schneller 'auslinken' kann, wobei es sich dabei natürlich wiederum um eine Annahme und nicht um eine Feststellung handelt.

Noch einmal alles Gute für Sie und ganz herzliche Grüsse

Marianne Schauwecker


Update 3.10.18