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Was tun - nach der ersten Erleichterung des Erkennens, dass man ein hochsensibler Mensch ist?
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Einladung zum Erfahrungsaustausch
Zu diesem neuen Kapitel regten mich die folgende Zeilen einer Leserin an:
Nach der ersten Euphorie: Was macht frau mit einer solchen Erkenntnis, wenn sie schon 65 Jahre auf dem Buckel hat? Der Alltag und die Beziehungen werden ja nicht schlagartig anders, sind auf ganz bestimmte Denk- und Verhaltensmuster eingestellt. Und doch meine (oder hoffe?) ich, dass sie in einem neuen Licht erscheinen. Mit diesem Wissen im Hintergrund (incl. Rückenstärkung) kann ich besser lernen, meine "Mimosenhaftigkeit" mit mehr Gelassenheit und Nachsicht zu behandeln, eher zu mir selber zu stehen, hinter dieser Verletzbarkeit den Gefühlsreichtum, die Intuition und Phantasie nicht zu verstecken, sondern zu würdigen und fruchtbar zu machen, für mich selbst und für andere.
Interessant wäre vielleicht ein Forum, indem Leute berichten, wie es ihnen nach der "Entdeckung" ergangen ist, welche Erfahrungen sie machen, wo sie ansetzen, wie sie ihre alten Ängste überwinden, was sich geändert hat. So könnten die Betroffenen sich gegenseitig ein bisschen beistehen. J. V.
Danke für diese inspirierenden Zeilen! So lade ich denn ein zu diesem sinnvollen und konstruktiven Austausch der Erfahrungen "nach der Erkenntnis"!
Jüngste Beiträge sind jeweils zuoberst.
(Die Autorin dieser Website behält sich vor, nur Beiträge zu veröffentlichen, die ethisch vertretbar erscheinen und dem Sinn und Zweck dieser Website entsprechen.)
15.3.10
Seit dem "Coming-out" und der Selbst-diagnose als HSP gehe ich wesentlich entspannter durchs Leben. Ich grüble längst nicht mehr so viel wie früher über mich und mein Leben nach. Ich quäle mich nicht mehr mit den W-Fragen (Wie? Warum? Weshalb? etc.).
Durch den Kontakt zu einer gleichgesinnten HSP-Dame, mit der mich zahlreiche Gemeinsamkeiten verbinden (wirklich verblüffend!), hat sich die Stimmung weiter aufgehellt. Wir führen intensive Gespräche und stellen fest, dass das Schmerzliche an der HS nicht wir selbst sind, sondern die negativen Einflüsse kommen immer von außen, von der Umwelt, von den Mitmenschen. Als HSP nehmen wir diese unangenehmen Dinge viel stärker wahr als "Normalos" und leiden daher seelisch und manchmal auch körperlich darunter.
Ich betrachte HS immer mehr als Form des Gesund-Seins und nicht als krankhafte Veränderung, die in jedem Falle therapiert werden muss. - Natürlich hat jede HSP ihre individuelle Persönlichkeit und ihre ganz speziellen Problemfelder. Dennoch sehe ich die HS in überwiegendem Maße als Bereicherung für die Gesellschaft. - Was wäre die Welt ohne uns? Wir sind bestimmt keine "besseren Menschen", was uns oft vorgeworfen wird. Wir haben einfach ein "Mehr" an Gespür auch für die feinen Zwischentöne im Leben. Wir haben eine schärfere Wahrnehmung, eine höhere Empfindsamkeit. Das sind doch alles wunderbare Dinge, für die man sich als HSP bestimmt nicht schämen muss!
Wer hat das Recht zu bestimmen, wie der "ideale" moderne Mensch zu sein hat? Da wird der Diskriminierung Tür und Tor geöffnet und wir fallen zurück in Zeiten, die glücklicherweise Vergangenheit sind. Wir HSP müssen stärker als bisher wahrgenommen werden. Es bleibt also noch viel zu tun. A.P. aus R.
13.3.10
Hoch erfreut und mit grossem Herzklopfen habe ich den Artikel, bzw. das Interview von Frau Schorr gelesen in der Berner Zeitung. Denn seit ca. 2 Jahren habe ich endlich ein Gesicht, bzw. einen Namen erhalten für meine immer wiederkehrenden Gefühle, Intuitionen, die ich meistens eher als lästig, statt als Gabe empfunden habe. Per Zufall kam ich an ein Buch, es heisst "Lastenträger, eine verkannte Gabe", und fand endlich eine Antwort auf all mein Empfinden. Seither bin ich mich beinahe täglich am damit auseinandersetzen, lernen umzugehen, am darüber erzählen bei vielen Freunden und stiess auf ein reges Interesse oder manches AHA Erlebnis! Für mich wurde es elementar wichtig, mein Umfeld zu informieren, um Verständnis und Kenntnis zu streuen. Bisher habe ich nur beschränkt Institutionen gefunden, die das Thema aufgreifen. Für viele Medien und Aerzte ist dieses Thema unbekannt und oft wird man als sensibels Pflänzchen abgestempelt, sei es wenn man auf ein Medikament sehr stark mit Nebenwirkungen reagiert, oder von Spannungszuständen oder Schlaflosigkeit spricht! Deshalb ist es mir ein riesen ANLIEGEN dass die Bevölkerung Kenntnisse erlangt. Ich bin froh, dass sie in der CH eine solche Webseite erstellt haben, es wird vielen Menschen eine Hilfe sein, endlich in ihren Empfindungen zur Ruhe zu kommen und zu merken, dass sie nicht krank sind, sondern eigentlich eine wertvolle Gabe besitzen und lernen müssen, gut damit umgehen! Vielen Dank und herzliche Grüsse, B.B. aus K.
19.11.09
Am Anfang fühlte ich mich nur befreit, sogar physisch befreit. Leicht, frei, wie auf Wolken, mit Flügeln versehen.
Dann sah ich, dass der Alltag weiter geht mit seiner Last, mit seinen Gewohnheiten, seinen Beziehungen. Dass meine neue Erkenntnis irgendwie im luftleeren Raum schwebt. Dass ich mich vielleicht noch mehr von Menschen entferne, als ich es eh schon tue. Ich wandte mich wieder anderen Dingen zu, so als wäre nichts geschehen.
In der Tat ist viel geschehen. Und jetzt spüre ich es jeden Tag mehr. Mein Wissen befreit mich von vielen Zwängen. Ich bin ich und brauche mich nicht dafür zu schämen. Wozu soll ich mich rechtfertigen für etwas, was mein Innerstes ausmacht? Wofür um Entschuldigung bitten? Warum soll ich um Menschen buhlen, die mich nur anerkennen, wenn ich mich nicht so gebe, wie ich bin? Was fange ich mit Menschen an, die von mir eine Rolle verlangen?
Oder die meine Sensibilität als überkandidelt, als mimosenhaft, als provokant oder hinderlich, ja überheblich betrachten? Die nur Nachteile und keinerlei Vorteile darin sehen? Ich habe schärfere Augen bekommen, beobachte viel und entdecke viel, weiß besser, was ich will und was ich nicht will.
Ich bin hellhöriger für Nuancen, Signale, Verborgenes, weil ich mich unabhängiger fühle. Viel gebundene Energie ist frei geworden. Es geht mir nicht mehr darum, Aufmerksamkeit, Anerkennung, Bewunderung zu ernten, sondern zu sehen, zu hören, zu fühlen, durchzuatmen, aufzunehmen und meinen Weg zu gehen, zu leben, nicht nur zu reagieren. Und siehe da, Menschen fühlen sich davon angezogen, andere entfernen sich, ohne dass ich um sie trauere.
Gleichzeitig werde ich duldsamer gegen Andere. Früher habe ich gestritten und gekämpft und gelitten, wenn ich mich ungerecht behandelt fühlte. Jetzt frage ich mich, bei wem es sich lohnt. Was ich vielleicht in zu hohem Maße besitze (ohne mein Verdienst oder meine Schuld), geht anderen weitgehend ab.
Wie sollen sie mich verstehen? Ich selektiere viel mehr: Was ich mit wem bespreche, diskutiere, unternehme, teile, was ich wem sage, anvertraue.
Meine bewährten Freundschaften gewinnen an Tiefe, weil ich erkenne, dass sie entweder meine Sensibilität teilen und/oder schätzen oder mich verstehen und mittragen. Und weil ich weniger unter Strom stehe, unter "Bewährungsprobe".
Gelassener bin ich geworden und zuversichtlicher, auch ein wenig heiterer.
Ich erwarte weniger, aber es öffnen sich Türen. Alles ist übersichtlicher, durchsichtiger geworden.
Vor allem nehme ich wahr, dass ich nicht mehr auf der Stelle trete, enttäuscht, resigniert, misstrauisch, sondern einen Weg vor mir sehe. Und Licht auf dem Weg. J.V.
11.11.09
Nach der Erkenntnis alles anders und doch ganz gleich
Mit 45 Jahren ist man bereits so in seinen Mustern gefangen, dass man trotz "Erkenntnis danach" sich immer wieder selbst verleugnet. Erschwerend dazu kommt der Leistungsdruck der an allen Ecken und Enden in allen Lebensbereichen spürbar wird. Ich lege mir daher mein Buch über HSP immer irgendwo auf ein Platzerl um nicht zu vergessen, dass ich sorgsam mit mir umgehe. Ich neige sehr dazu, mich zu überfordern, allen Ansprüchen gerecht und noch gerechter zu werden. Das strengt mich furchtbar an und macht mich sehr müde. Um mich nicht völlig in Grund und Boden zu peitschen, brauche ich das Buch, diese Internetseite, Zeilen daraus um eine beinahe "Rechtfertigung" vor allem aber eine Erklärung für meine Gefühle zu erhalten.
Das Positive an der "Erkenntnis danach" und am HSP-sein ist, dass ich mir gewisse Eigenheiten noch mehr bewusst mache und sie mir keine Angst mehr machen - wie z.B. meine Farbträume, meine gedanklichen Bilder, die in stark emotionalen Situationen in meinem Kopf entstehen, wie ich Musik regelrecht körperlich spüre ua. Das sind Eigenschaften, über die ich sehr froh bin, mich von Nicht-HSP zu unterscheiden. Sabine aus V.
4.11.09
Seit ich mir nun meiner HS bewusst bin, kann ich mich wieder mehr an ihren schönen Seiten freuen: z.B. an einem trüben Novembertag, wenn ich die immer noch wunderschönen Blätter des Wilden Weins auf dem regennassen Kopfsteinpflaster sehe, oder wenn ich entdecke, dass Schnirkelschneckenhäuschen jeweils ganz verschieden gefärbt und geringelt sind... Das entgeht ja vielen Menschen (vielleicht weil sie sagen: "Dafür kann ich mir nichts kaufen!!"). A.M. aus F.
4.11.09
Jetzt, mit den geschärften Sinnen für diese Anlage, entdecke ich so einige "Mitstreiter" (oder Mitleider?) in Freundes- und Familienkreis. Also fange ich an zu erzählen... und siehe da, es gibt Widerhall. Für Außenstehende allerdings ist es nicht zuträglich: Sie sehen nur ihre Vorurteile bestätigt - diese Leute, die sich als etwas Besseres fühlen, eine Extra-Wurst braten wollen - wo's doch nur um ein bisschen mehr Verständnis geht, gegenseitig. J.V.
30.10.09
Zunächst war es bei mir so, dass die Euphorie sehr hohe Wellen schlug, ich konnte es gar nicht richtig einordnen, aber jetzt, nach ein paar Wochen, glaube ich einfach, dass es das Glück war, meine manchmal vagen Empfindungen BENENNEN zu können.
Dass sich das Umfeld nicht von einem Tag auf den anderen ändert, ist klar, aber für mich ändert sich die Achtsamkeit, mit der ich mir selber meinen RAUM nehme, den ich in diesem Moment gerade brauche.
Gestern war mal wieder eine Situation, wo ich mich völlig vor den Kopf gestoßen fühlte von den Kindern meines Partners, (die mir normalerweise sehr nah sind). Wir räumten in der Wohnung seiner Mutter um (sie ist gerade im Pflegeheim, aber noch recht fit und behält die Wohnung noch). Die Mädels verletzten in meinen Augen völlig die Intimsphäre ihrer Großmutter indem sie sich über Schriftstücke, persönlichen Nippes usw total lustig machten. Ich sah irgendwann rot, - nicht ohne einräumen zu müssen, dass sie der Frau einfach nicht so nah sind wie ich es gerade bin und dass sie ja nicht dabei war.
Gelernt habe ich, trotz meiner Gefühle objektiv zu bleiben. Die Situation irgendwann zu verlassen (sprich nach getaner Arbeit nicht mehr gemeinsam essen zu gehen) und im stillen Kämmerlein die Nachbereitung zu machen.
Es wird einfacher. Ich fühle mich nicht mehr so lange hilflos, verletzt und ausgegrenzt und kann mehr und mehr gelassen bleiben. Aber natürlich bleiben die Situationen nicht aus.
Ja auch mich interessiert es , wie es anderen geht, wie sie nach der Erkenntnis mit ihrer Gabe umgehen.
Z.B. rede ich nicht über dieses Thema, außer mit wirklich engen Freunden. Hatte als Kind immer die Aussage an den Kopf geknallt bekommen "du bist halt ein Mimöschen", sodass ich bis heute denke, dass nur wenige Menschen das interessiert...
Will es einfach auch nicht zum Mittelpunkt meiner Persönlichkeit machen... S.B aus D.
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