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Hochsensible Jugendliche

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Dieses Kapitel beruht auf einem Vortrag der Website-Autorin M. Schauwecker - "Ist ihr Kind hochsensibel?" - und ist das fünfte Kapitel in einer Serie von fünf Kapiteln.

Als Grundlage nebst eigenem Wissen und Erfahrungen dient in diesem Kapitel auch das Standardwerk der HS-Pionierin Elaine N. Aron "Das hochsensible Kind", mvgVerlag - mit seinen vielen Tipps zum Thema 'Hochsensible Jugendliche'. Aron hat diesbezüglich eine sehr sorgfältige Zusammenfassung verfasst, so dass das vorliegende Kapitel manchen ihrer Themenpunkte übernommen hat, nebst eigenen Beiträgen und Ergänzungen durch die Website-Autorin.

Fallbeispiele am Schluss des Kapitels!

Die anspruchsvolle Zeit des Erwachsenwerdens

Als Eltern von jugendlichen Töchtern und Söhnen sollte man sich vergegenwärtigen, wie anspruchsvoll die Entwicklung vom Kind zum Erwachsenen eigentlich ist. Meistens muss man nur zurückdenken an die eigene Pubertät: Wie viel kommt in dieser Zeit auf den heranwachsenden Menschen zu!
Schulabschluss, Ablösung von den Eltern, Körperentwicklung, hormonelle Entwicklung, Sexualität, die Anfänge der Partnersuche, berufliche Entscheidungen und Ausbildung(en)... - und dies alles in einem eigentlich recht kurzen Zeitraum.

Wenn dieses Kapitel auch Probleme anspricht, die gerade hochsensible Jugendliche besonders treffen können, so darf dadurch nicht der Eindruck entstehen, dass die meisten Hochsensiblen ihre Pubertät als besonders schwierig erfahren müssen. Elaine Aron erwähnt im Gegenteil, dass hochsensible Teenagers auch zu "idealen Jugendlichen" werden können, gerade wenn die Kindheit vielleicht komplex verlaufen ist - mit viel Angewöhnungsarbeit und Problemen: Viele dieser Jugendlichen fühlen sich nach Schwierigkeiten in der Kindheit nun viel wohler in ihrer Haut, ihr Selbstwert steigt und sie entwickeln ein neues Selbstverständnis.
Jedoch ist das natürlich nicht immer so, und Probleme können sich beim Erwachsenwerden auch verstärken oder neu auftreten.

In der Folge werden nun ein paar wichtige Punkte angesprochen, die in der Pubertät berücksichtigt werden sollten - oder zu einem zentralen Thema werden können.

  • Information über Hochsensibilität: Natürlich ist es von Vorteil, wenn Jugendliche schon im Kindesalter als hochsensibel erkannt worden sind. Dann sind sie mit dem Thema vertraut und haben vielleicht schon Strategien entwickelt, selbständig mit ihrer Veranlagung umzugehen. Für Jugendliche sind Informationen über die hochsensible Veranlagung nach wie vor wichtig (z.B. Hinweise auf Websites und Bücher), auch wenn ihnen in der Adoleszenz andere Themen wohl näher sind als ihre Sensibilität. Deshalb empfiehlt es sich, sie nicht mit Informationen zu bedrängen, sondern ihnen diese schlicht und einfach zur Verfügung zu stellen oder einen Tipp zu geben. Aufgezwungene Information kommt bei jungen Menschen oft kontraproduktiv an.
  • Zwischen Kind und Erwachsenem: Elaine Aron beschreibt treffend, dass ein Teenager oft noch eine sehr kindliche, daneben aber auch schon eine erwachsene Seite ausleben kann: Es ist wichtig, beide Personen im Kind zu sehen, das Kind und den Erwachsenen - und zu merken, wo Tochter oder Sohn gerade stehen. Der erwachsene Teil braucht Respekt, der Kindteil Zuwendung und Rat. Der Wechsel kann schnell stattfinden, wenn z.B. Scham auftaucht über die ausgedrückte "Kindlichkeit". Und auch wenn Lob scheinbar nicht mehr erwünscht ist: Liebe und ehrliches Lob (z.B. über vorhandene Qualitäten) tun immer noch gut.
  • Verantwortung: Jugendliche sollten in Gebieten, wo dies bereits möglich ist, so viel eigene Verantwortung wie möglich übernehmen (z.B. Kleidung, Essen, Schlafen, Pflichten, Freizeit…). Manchmal braucht es in diesem Prozess auch Unterstützung und Anweisungen darüber, wie man nach und nach Verantwortung für sein ganzes Leben übernimmt. Ganz konkret heisst das zum Beispiel auch, dass man aufhört, das Kind zu bedienen oder gar zu verwöhnen. Das Ziel soll eine partnerschaftliche Beziehung sein, - darauf reagieren gerade hochsensible Jugendliche oft positiv. Von den Eltern wird in dieser Phase gefordert, auch wirklich sukzessive Verantwortung an den jungen Menschen, der früher so stark zu ihnen "gehört hat", abzugeben. Man darf als Eltern nicht unterschätzen, dass dieses Loslassen oft einen schmerzhaften inneren Abschiedsprozess zur Folge haben kann. Was dabei hilft: sich bewusst zu werden, dass man das Kind eher verliert, wenn man es weiterhin "besitzen" will.
  • Selfmanagement: Vieles ist bei hochsensiblen Jugendlichen natürlich ähnlich wie bei den 'normalsensiblen', und doch bleiben Hochsensible auch als Jugendliche nach wie vor empfindlichere und empfindsamere Wesen, die auf ihre Grenzen und auf ihr Selfmanagement besonders achten müssen. Der junge Mensch muss lernen, mit Schwächen und Stärken alleine umzugehen (z.B. mit Überreizung, Überforderung, Verletzlichkeit, Freizeitorganisation, sozialen Medien, Abgrenzung etc.) Man muss wissen, dass viele in diesem Alter alle Vorsicht über Bord werfen und erst recht alles auskosten und ausreizen wollen. Es gibt junge Hochsensible, die sich dann dem "jugendlichen Leben" völlig anpassen und dadurch eigentlich unbewusst dauernd über ihre Grenzen gehen. In dieser Lebensphase ist es bis zu einem gewissen Grad auch normal, vieles auszuprobieren und weniger Vorsicht walten zu lassen. Trotzdem sollte das Thema Hochsensibilität nicht unter den Tisch gewischt werden und den Jugendlichen weiterhin klar bewusst bleiben, gerade wenn sich ev. körperliche oder psychische Folgen einstellen sollten.
  • Männliche Jugendliche haben mit ihrer hochsensiblen Veranlagung beim heute nach wie vorherrschenden Männerbild meistens mehr Mühe als hochsensible Mädchen. Viele unterdrücken ihre sensiblen Qualitäten wie z.B. Feinfühligkeit, Empathie... Sie möchten lieber maskulinen Idealen wie z.B. Draufgängertum und Härte entsprechen, obwohl sich dieses einseitige Männerbild in der heutigen Zeit langsam aufweicht. Die Website-Autorin bekommt aber immer wieder Zuschriften, die vom Leiden hochsensibler Jungs zeugen: sie wollen unbedingt keine "Schwäche" und "Weichheit" zeigen - und verzweifeln innerlich beinahe ob diesem Zwiespalt zwischen Aussen und Innen. Man tut dem Sohn (aber natürlich auch der Tochter) einen grossen Dienst, wenn man kontinuierlich klarmacht, dass hochsensible Kraft genauso erstrebenswert ist und grundsätzlich mit Schwäche nichts zu tun hat. Ein Beispiel: es gibt unter den Hochsensiblen speziell viele künstlerisch und kreativ begabte Menschen. --> Zwei authentische Berichte von jungen hochsensiblen Männern können im Forum "Persönliche Berichte" nachgelesen werden: Zu den Daten 1.3.12 und 17.7.15 scrollen.
  • Es gibt auch viele sehr introvertierte hochsensible Jugendliche, die oft kaum zu pubertieren scheinen, z.B. nicht an Partys etc. gehen und keinen Gruppenzwängen nachgeben, sondern sich gerne zurückziehen und vorwiegend eigenen Hobbys nachgehen. Zuhause wirken sie in der Pubertät höchstens "brummig" oder gereizt und reagieren ablehnend auf Einmischung.

Hochsensible Jugendliche brauchen unbedingt
einen eigenen, ganz persönlichen Rückzugsort.

  • Vertrauen versus "Erziehung": Auch wenn Eltern von Jugendlichen oft Sorgen, Ängste und Zweifel haben, erreichen sie ihre Teenager-Kinder immer seltener mit "guten Ratschlägen" oder gar Drohungen und Strafen - im Gegenteil. Die Erziehung sollte in diesem Alter eigentlich abgeschlossen sein, und wenn Eltern in diesem Stadium plötzlich noch "Erziehungsmankos" nachholen möchten, werden sie damit kaum mehr Erfolg haben. Jugendliche haben in solchen Fällen die Tendenz, sich zu verschliessen und andernorts Freiräume zu suchen, denn überbesorgte Eltern ertragen sie schlecht. Dennoch ist das Zuhause immer noch wichtig, auch wenn Jugendliche so tun, als sei das nicht mehr der Fall. Natürlich kann es immer einmal dringend nötig werden, gegen den Willen des Jugendlichen Massnahmen zu ergreifen, wenn Eltern bemerken, dass ihr Kind z.B. unter schlechten Einfluss gerät, gemobbt wird, an einer Depression erkrankt oder sich plötzlich auffallend verändert. Verläuft die Ablösung jedoch im Rahmen einer "normalen" Pubertät, stehen jetzt in der Familie Fragen der Beziehung und des gegenseitigen Vertrauens im Mittelpunkt: Wir reden noch miteinander, wir sind ehrlich zueinander (beidseitig!), wir versuchen auf eine partnerschaftliche Ebene zu kommen, wir beachten Regeln im gemeinsamen Haushalt (Abmachungen! Mithilfe zuhause...) etc. Dabei müssen Eltern nichts "herunterschlucken". Junge Menschen suchen meistens keine Schonung, sie suchen ehrliche und klare Gegenüber, und sie spüren - gerade wenn sie hochsensibel sind - sehr gut, wenn Erwachsene nicht ehrlich äussern, was sie denken.
  • Mangelnde Vertrauensbasis: Erwachsenen muss bewusst sein: Wenn hochsensible Jugendliche in einer schwierigen Phase sind und nirgends eine Vertrauensbasis haben, sind sie besonders anfällig für Überforderung und zu rasche Entscheide, z.B. abrupte Abbrüche einer Ausbildung, frühe Partnerschaften, um "jemanden zu haben" - und leider auch Suizide. Zum Schutz vor der grossen Aktivität der Lebensphase gibt es auch Fluchtreaktionen in Sekten, extremen Rückzug oder Abhängigkeiten von anderen Menschen und ähnliches gehäufter. Primär ist es sinnvoll, mit Jugendlichen diesbezüglich präventiv zu arbeiten. Ist es für Prävention schon zu spät, soll mit der Suche nach Hilfe, Beratung und Unterstützung nicht zugewartet werden, siehe den folgenden Abschnitt.
  • Probleme, Kommunikation in Problemsituationen: Wenn Jugendliche bereits Probleme haben aufgrund ihrer hochsensiblen Veranlagung, können eine therapeutische Begleitung, ein Coaching, eine Beratung... sinnvoll sein. Was viele nicht wissen: Ist keine Therapie nötig, kann dennoch eine gut informierte Vertrauensperson (Verwandte, Lehrkräfte, ev. Kampfsportlehrer, Mentor/in etc.) wichtige Dienste leisten, da Jugendliche in diesem Alter von den Eltern weniger gerne Rat annehmen. Trotzdem sind sie meistens noch weniger unabhängig und selbstständig als sie oftmals erscheinen. Eltern können vor allem in gleichberechtigten Gesprächen "von Mensch zu Mensch", in welchen sie mehr rückfragen und rückmelden anstatt gleich fertige Problemlösungen zu "servieren", einen guten vertrauensvollen Draht zur Tochter oder zum Sohn aufrecht erhalten. In diesem Zusammenhang seien noch einmal Kommunikationshilfen wie "Aktives Zuhören" oder "Familienrat" erwähnt (siehe Kapitel über "Babys/Kleinkinder" und "Tipps für den Alltag mit einem hs Kind"). Allerdings merken hochsensible Jugendliche meistens sofort, wenn ihre Eltern im Gespräch eine Methode oder eine Theorie anwenden und fühlen sich dann schnell manipuliert. Deshalb sollten solche und ähnliche Theorien als sinnvolle Kommunikationshilfen entweder schon bekannt sein - oder dann ehrlich "auf den Tisch gelegt" - und von beiden Seiten angewendet werden.
  • Jugenddepressionen: Wirkt ein junger Mensch in der Pubertät über längere Zeit bedrückt, antriebslos, unglücklich, speziell in sich zurückgezogen oder aber speziell reizbar und ablehnend, dann muss auch in Betracht gezogen werden, dass es sich - gerade bei hochsensiblen Jugendlichen - auch um eine Depression handeln könnte. Je früher eine solche erkannt wird, desto besser kann geholfen werden. Einer von vielen Internetlinks zum Thema Jugenddepression.
  • Mobbing: Die Frage, ob Menschen, die öfters gemobbt werden als andere, eine spezielle Persönlichkeitsstruktur aufweisen, wird bisher kontrovers diskutiert. Es besteht jedoch immer mehr die Tendenz zur Ansicht, dass Mobbingopfer häufig auf irgendeine Art als "anders" auffallen in ihrer Altersgruppe, manchmal hinsichtlich aussergewöhnlicher Begabungen, manchmal weil sie sensibler seien, ängstlicher oder konfliktscheuer. Sie möchten eigentlich nicht auffallen, fallen aber dennoch durch Besonderheiten auf - und weisen häufig ein schwaches Selbstwertgefühl auf. Deshalb fällt es ihnen schwer, sich zu wehren und für sich einzustehen. Diese unvollständige Aufzählung (aus Internet-Fachseiten über Mobbing entnommen) erinnert tatsächlich stark an Schwierigkeiten, die gerade HSP betreffen können. Daher ist der Fokus auf die Entwicklung eines guten Selbstwertgefühls gerade auch bei Jugendlichen sehr wichtig. (Siehe weiter unten "Selbstreflektion und Selbstwertgefühl")
  • Internet, iPhone, iPad, Computer, soziale Medien...: Heutige Jugendliche leben mit einer Flut von technischen Kontakt-, Kommunikations- und Unterhaltungsmöglichkeiten, die früher noch unvorstellbar war. Frühzeitige Aufklärung, Abmachungen, partnerschaftliche Gespräche... bringen mehr als reine Verbote, welche mit der Zeit doch meistens umgangen werden. Bezugspersonen sollten aufmerksam bleiben - auch im Wissen, dass z.B. Mobbing auch über Facebook etc. ablaufen kann (Cyber-Mobbing). Auch hier ist eine Vertrauensbasis sehr wichtig, damit die Kinder auch im Jugendlichenalter in Notfällen jeder Art noch den Wunsch haben, erwachsene Unterstützung zu suchen.
  • Privatsphäre: Wenn auch die Regeln für das familiäre Zusammenleben von den Jugendlichen nach wie vor respektiert werden müssen, so sollen Eltern auch die Privatsphäre der Jugendlichen respektieren. Gemeinsam entwickelte "Familienregeln" können hier gute Dienste leisten.
  • Selbstzerstörerische Tendenzen: am Beispiel Drogen und Hochsensibilität: Leider treten bei jugendlichen Hochsensiblen in der Pubertät manchmal auch selbstzerstörerische Tendenzen auf, gerade wenn noch kein Selbstverständnis als hochsensibler Mensch entwickelt werden konnte. Dies kann sich in verschiedenen Schweregraden zeigen (z.B. als Gefühl "falsch zu sein", Minderwertigkeitsgefühle bis hin zu psychischen Störungen). Wie auf dieser Website oft beschrieben wird, fühlen sich viele HSP oft "anders als die andern" und lernen so ihre hochsensible Veranlagung nicht als Stärke und Potenzial kennen, sondern - im Vergleich mit der normalsensiblen Mehrheit - als Schwäche oder "Falschsein". Daraus kann die Tendenz entstehen, die eigenen Bedürfnisse zu unterdrücken und sich an die andern anzupassen, um auch "dazu zu gehören". Dies wiederum bedeutet, dass man seine ursprüngliche hochsensible Veranlagung nicht schätzen lernt, sondern sie unbewusst ablehnt, was bei vielen sogar in Selbsthass ausarten kann. Vom Selbsthass zu selbstzerstörerischem Verhalten besteht oft nur ein kleiner Schritt. Drogen können daher für gewisse hochsensible Jugendliche verlockend sein, weil damit oft vorübergehend Stress reduziert werden kann, der Anpassungs-Stress, der durch Überreizung des hochsensiblen Nerven- und Wahrnehmungssystems bei HSP immer latent präsent sein kann. Es ist jedoch so, dass hochsensible Menschen häufiger als andere an Allergien und Unverträglichkeiten leiden. Daher reagieren viele von ihnen auch stärker auf Drogen aller Art als Normalsensible, was natürlich auch eine stärkere Beeinträchtigung zur Folge haben kann. In jedem Fall von Drogenkonsum ist dringend fachliche Hilfe notwendig. (Beachtet soll am Rande auch werden, dass der sehr kleine Prozentsatz von Menschen mit der seltenen TENDENZ zu Schizophrenie bei Cannabis und anderen Drogen besonders vorsichtig sein muss, siehe folgenden Link auf dieser Website: HS und Schizophrenie? (beachte den Abschnitt "Problem Cannabis".)
  • Andere selbstzerstörerische Tendenzen: Selbstverständlich finden selbstzerstörerische Prozesse nicht nur im Bereich von Drogen (siehe vorherigen Abschnitt) statt! Schon in der viel beschriebenen AbgrenzungsUnfähigkeit vieler hochsensibler Menschen liegt zum Beispiel eine unbewusste Tendenz zur Selbstablehnung: bei Abgrenzungsschwierigkeiten haben fremde Bedürfnisse Priorität vor den eigenen Bedürfnissen, welche nicht wahrgenommen und durchgesetzt werden können. Natürlich werden selbstzerstörerische Prozesse klarer ersichtlich bei Störungen wie z.B. einem AD(H)S, dem Borderline-Syndrom oder einer Essstörung (z.B. Anorexie). Solche Störungen, die besonders oft bei hochsensiblen Menschen auftreten, verraten einen grossen Mangel an Zuwendung und Wertschätzung dem eigenen Wesen gegenüber. Ganz abgesehen vom Suizid, dem Selbstzerstörungsprozess schlechthin. Es ist daher extrem wichtig, dass gerade bei hochsensiblen Menschen der Fokus auf die Entwicklung eines gesunden Selbstwertgefühls gerichtet wird (siehe nächsten Abschnitt).
  • Selbstreflektion und Selbstwertgefühl (beachte dazu auch oben den Abschnitt 'Mobbing'): Das vorhin erwähnte "gesunde Selbstwertgefühl" von einem schlechten zu unterscheiden, ist oft schwierig. Es gibt viele hochsensible Jugendliche, die ihr verletzbares Inneres gekonnt verstecken, indem sie sich z.B. gleichgültig stellen, zurückziehen und Konfrontationen vermeiden. Oder indem sie äusserlich eine raue oder provokative Schale zeigen. Solches kann in vielen (natürlich nicht in allen) Fällen auch zur falschen Annahme führen, der Selbstwert sei intakt. Oft werden Jugendliche auch von den Eltern "über den grünen Klee" gelobt - und spüren trotzdem immer wieder Einbrüche in ihrem Selbstwertgefühl, so dass sie selbst nicht mehr wissen, wo sie eigentlich stehen. Sie sind zum Beispiel in irgendeiner Disziplin oder künstlerischen Richtung hochbegabt - und merken trotzdem, dass diese Fähigkeit ihr Selbstwertgefühl nicht wirklich 'nährt'. Oder sie pflegen ein selbstzerstörerisches Rebellentum, nur um eigentlich auszudrücken, dass sie sich verloren fühlen und die Orientierung verloren haben. Es braucht eine gute Beobachtung und einen guten Draht zur Tochter oder zum Sohn, um hier Unterstützung zu leisten. Sonst ist diese Unterstützung - wenn nötig - besser an eine aussenstehende Fachperson zu delegieren (Therapeutin, Coach, Berater...). Hochsensible besitzen anlagemässig meistens eine differenzierte Selbstreflektion: diese ist die Hauptrichtschnur, um die Zuwendung zu sich selbst und das Selbstwertgefühl zu stärken: von innen muss dieses wachsen, - von aussen kann höchstens das innere Wachstum unterstützt werden (z.B. durch ein Selbstverteidigungstraining (in der Schweiz z.B. www.selbstsicherheit.ch), eine Kampfsportart oder eine therapeutische Begleitung). Selbstreflexion bedeutet auch, sich ehrliche Fragen zu stellen: Wo und auf welche Art handle ich ständig gegen mich? Wie kann ich das ändern? Was brauche ich wirklich? Was will ich wirklich? Was lerne ich aus meinen Schwächen? Und wie kann ich meine Stärken besser leben? - Ein gesundes Selbstwertgefühl beruht letztlich auf einer realen Selbsteinschätzung und auf Selbstakzeptanz, die sich nicht an übliche Bewertungskriterien hält. Das sind auch die "Werkzeuge" und Lernziele, die uns vor selbstzerstörerischen Tendenzen bewahren können. Selbstwertgefühl wird - wenn es wächst - nach aussen sichtbar: es strahlt die Botschaft aus, dass hier ein Mensch für sich und seine Meinung einsteht.
  • Startschwierigkeiten: Bei Jugendlichen, die Startschwierigkeiten haben beim Übergang ins Erwachsenenleben, hilft vielleicht das Wissen um die "Spätzünder-Natur" vieler Hochsensibler. Wenn es beispielsweise nicht gleich klappt mit dem ersten beruflichen Anlauf, ist die/der Jugendliche deshalb noch lange kein "Versager" oder "Loser", sondern braucht mehr Zeit, den richtigen Platz im Leben zu finden. Viele erwachsene Hochsensible haben lebhafte berufliche "Karrieren" hinter sich, und wenn die Lebenssituation dies erlaubt, kann dies letztlich durchaus eine grosse Bereicherung sein. Denn häufig entwickeln sich ausgeprägte berufliche - und oft auch kreative Begabungen erst mit den Jahren.
  • Eigene Grenzen ausdrücken: Jugendliche versuchen sich jetzt von zuhause abzugrenzen: Manche Eltern sind sich nicht immer bewusst, dass sie dieses Recht auch haben, wenn die Kinder dabei anspruchsvoll werden oder sich gegen bisherige familiäre Regeln verhalten. Eine konsequente Haltung der Eltern zuhause ist nach wie vor sehr wichtig. Wer für seine Kinder ein gutes Vorbild bleiben möchte, begegnet ihnen als ehrliches und klares Gegenüber, welches Gefühle und eigene Bedürfnisse zeigt, zur persönlichen Meinung steht (auch wenn diese vom Kind als "altmodisch" abgetan wird) und Toleranz, Anstand und Respekt vorlebt. Häufig ist es schwierig zu erkennen, wie Abgrenzung eigentlich ganz konkret "funktioniert": eine solche innere und äussere Haltung ist die Grundlage dafür.
  • Ausbildung und Beruf: Obwohl natürlich viele Hochsensible einen befriedigenden Einstieg ins Berufsleben finden, kann es für sie bei der Suche nach der passenden Ausbildung auch spezielle Schwierigkeiten geben. Die Website-Autorin bekommt häufig Berichte von Hochsensiblen über schwierige berufliche Situationen oder Burnouts etc. - z.B. aufgrund eines hohen Überreizungspegels am Ausbildungs- oder Arbeitsort. Für hochsensible Jugendliche empfiehlt sich daher primär eine sorgfältige Berufsberatung, in welche die sensible Veranlagung mit einbezogen wird. Natürlich bietet die heutige berufliche Arbeitssituation nicht immer "Samthandschuhe" an. Und es ist wichtig, dass Jugendliche zunächst einmal zu einem ersten "Grundjob" kommen, damit sie fähig werden, ihr eigenes Leben zu finanzieren (Selbstverantwortung). Wenn es jedoch familiär und finanziell möglich ist, sollten Chancen offen bleiben, sich später beruflich noch verändern zu dürfen. Sollte dies nicht möglich sein, gibt es in ungünstigen beruflichen Situationen oft auch Möglichkeiten, die Umstände vor Ort zu diskutieren und zu verändern und sich dafür einzusetzen. Das Thema 'Beruf' wird heute übrigens immer häufiger in die Forschung über Hochsensibilität miteinbezogen. Hier ein Buch-Beispiel: "Sensibel Kompetent - Zart besaitet und erfolgreich im Beruf" von Dr. Marianne Skarics, Festland-Verlag

Fallbeispiele

Immer häufiger suchen auch schon junge Hochsensible im Internet nach Stichworten, welche sie dann zum Thema Hochsensibilität führen.
Im Kapitel "Persönliche Berichte" (anklicken) soll hier auf vier Berichte von jungen Menschen hingewiesen werden (bitte zu den entsprechenden Daten scrollen):

1.3.12 Bericht eines jungen Mannes
27.11.14: Bericht eines 14jährigen Mädchens
11.1.15: Bericht eines 16-jährigen Mädchens
17.7.15 Lebensbericht eines 21-jährigen jungen Mannes

Ein hochsensibler Jugendlicher spielt sich nach der Schule frei, (die Ohren geschützt durch Ohrstöpsel):
das kraftvolle "Drummen" hilft ihm, Spannungen loszulassen
und wieder "auf den Boden zu kommen".

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