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Abgrenzung – das Recht auf eigene Grenzen

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  • Was sind Grenzen überhaupt?
  • 'Äussere' Abgrenzung - Tipps
  • 'Innere' Abgrenzung - Tipps
  • Abgrenzung und Kontakt
  • Fallbeispiele, Beiträge
  • Für praktische Anregungen zum Thema siehe das Kapitel Praktische Tipps

Was sind Grenzen überhaupt?

Dieses Bild des Meeres zeigt zwei Grenzlinien: die eine "grenzt" das Meer vom Himmel ab, die andere "grenzt" zwei Luftschichten voneinander ab. Gleichzeitig wird uns klar, dass dies gar keine wirklichen Grenzen sind. Das Meer hört bei der Grenzlinie, die unsere Augen wahrnehmen, nicht auf, und die Abgrenzung zwischen Wasser (Meer) und Luft (Himmel) ist ebenso eine Illusion, findet zwischen Wasser und Luft doch ein ständiger chemischer Austausch statt.
So müssen wir uns fragen: gibt es überhaupt Grenzen? Oder ist das etwas, was der Mensch aus seinem beschränkten Blickwinkel konstruiert hat, um seine Identität und seine Umwelt zu 'de-finieren' (fine = Ende)? Schon lange ist bekannt, dass unsere Körper zum grössten Teil aus Wasser bestehen, dass wir uns ständig erneuern, dass darum auch unsere "Grenzen" natürlicherweise gar nicht so klar definiert sind, wie wir das gerne annehmen. Hätten wir eine andere, schärfere Sicht, würden wir uns vielleicht gegenseitig als oszillierende, sich ständig verändernde "Zellanhäufungen" wahrnehmen!?

Alles auf dieser Erde, in diesem Universum ist offenbar miteinander verbunden. Doch gleichzeitig scheint Abgrenzung für uns lebensnotwendig, und wir nehmen uns als eigenständige, "getrennte" Wesen wahr. Das Neugeborene hingegen ist noch ganz ein Teil der Mutter und muss zuerst langsam lernen, aus dieser Einheit heraus zu wachsen und sich "abzugrenzen" (um sich später wieder nach dem "Einssein" zurück zu sehnen...).

Für hochsensible Menschen kann Abgrenzung - aufgrund der schwächer ausgebildeten Wahrnehmungsfilter und der daraus resultierenden Informations- und Reizüberflutung - ein grosses Problem sein: gute Wahrnehmungsfilter wirken wie eine "Grenze", die nicht alles einlässt. Und diese Grenzen sind bei HSP einfach nicht klar und stabil. Hochsensible nehmen natürlicherweise eher das Verbindende wahr als das Trennende. Sie spüren z.B. Dinge in anderen Menschen, welche jene noch gar nicht ausdrücken und leben oft in einer dauernden Vermischung zwischen innen und aussen. Dazu können verstärkende Lebensumstände kommen wie z.B. Unverständnis von aussen oder Übergriffe, welche erst recht dazu führen, dass die "Grenzen" sich vermischen und wir uns dem Leben ausgeliefert fühlen.

Umso mehr müssen wir uns darum kümmern, zu einer gesunden Abgrenzungsfähigkeit zu gelangen, denn trotz der "philosophischen" Erkenntnis der "Grenzenlosigkeit" unserer Welt, müssen wir ja doch im Alltag, welcher konkrete Grenzen von uns verlangt, funktionieren.

Zum klareren Verständnis unterscheide ich in diesem Kapitel zwischen "äusserer" und "innerer" Abgrenzung (wobei die verschiedenen Aspekte natürlich ineinander über fliessen und in der Realität nicht klar zu trennen sind):

- Unter "äusserer Abgrenzung" verstehe ich Grenzen, die wir unseren Mitmenschen und äusseren 'Immissionen' aktiv setzen müssen, um intakt zu bleiben und uns "im Leben draussen" durchzusetzen und zu schützen.

- Unter "innerer Abgrenzung" - oft schwieriger zu lernen - verstehe ich den Umgang mit all den vielfältigen Einflüssen des Lebens (z.B. dem Spüren der Befindlichkeit anderer, ohne dass diese darüber sprechen, mit Katastrophen, die in der Welt geschehen, mit Lärm, Geruch, 'Doppelbotschaften', Wetter, Atmosphäre, Hellfühligkeit etc.), denen hochsensible Menschen auch ohne aktiven äusseren Input in viel stärkerem Masse ausgesetzt sind als normalsensible Menschen.

'Äussere' Abgrenzung

Im Folgenden möchte ich praktisch schildern - und daraus dann ein Fazit ziehen, wie ich aus einem grossen Mangel an 'äusserer' Abgrenzungsfähigkeit mit der Zeit gelernt habe, mich besser gegen aussen abzugrenzen:

PHASE 1
Wenn ich an frühere Zeiten denke, muss ich mir eingestehen, dass ich mich fast gar nicht auf gesunde Art und Weise abgrenzen konnte. Darum war ich jahrelang in einem chronisch überlasteten, gestressten Zustand. Ich hatte nicht nur das Gefühl, ich müsse jede Anforderung, jeden Wunsch an mich mit "ja" beantworten, sondern ich bot mich sogar aus freien Stücken noch zu Wunscherfüllungen an, die ich beim andern nonverbal zu erraten glaubte. Da musste eine Freundin nur stöhnen: "am nächsten Samstag ist Umzugstag, ich werde es nie schaffen, alles noch in meine Schachteln zu verpacken..." Reflexartig hörte ich mich sofort sagen: "ich helfe dir!" Am bewussten Samstag dann - anstatt mich von der Woche zu erholen - packte ich schwitzend und müde fremde Utensilien in riesige Schachteln, half noch mit, schmutzige Badewannen zu putzen oder kochte Spaghetti für das ganze Umzugsteam. Nicht dass an Hilfsbereitschaft etwas falsch wäre! - aber sie kam gar nicht aus meinem Herzen! (vergleiche Kapitel "geben und nehmen") Ich erfüllte nur Erwartungen, die ich in andere Menschen hinein projizierte und glaubte, ich würde ihre Liebe verlieren, wenn ich nicht zu Diensten sei.

PHASE 2
Im jahrelangen Lernprozess zu einer besseren Abgrenzungsfähigkeit kam anschliessend eine Phase, in welcher ich mich verteidigen musste wie ein wildes Tier, wenn ich "nein" sagen wollte. Und im Innern herrschte bei meinen Abgrenzungsversuchen eine Mischung aus Verlustangst und Abwehr. Zu meinem Erstaunen musste ich einmal feststellen: "das ist ja eine Art lähmende Panik, die da abläuft!" Oft realisiert man das nämlich gar nicht, weil die Vernunft meint: "wegen so einer Kleinigkeit, kann ich doch nicht in Panik kommen..."
Doch - ich konnte! - und verlor dabei meine gesamte Flexibilität. Ich fiel also ins andere Extrem meines früheren Verhaltens und blockte nun fast alles ab, was an mich heran getragen wurde. Gleichzeitig lieferte ich immer lange Erklärungen dazu: "Weisst du, ich kann nicht, weil... Ich würde ja gerne, aber... Es geht WIRKLICH nicht!!" Anschliessend hasste ich mich, dass ich nicht einfach 'cool' und emotionslos sagen konnte: "Nein du, das geht leider nicht." Sondern dass ich so leiden musste, wenn ich mich doch nur auf das "Recht auf eigene Grenzen" berief...

PHASE 3
Heute bin ich mittlerweile ganz zufrieden mit meiner Abgrenzungsfähigkeit. Bei kleineren Sachen kann ich schon ganz schön ruhig bleiben. Fühle ich mich jedoch in irgendeiner Weise bedroht oder überfordert, falle ich schnell mal wieder in die alten, bei "Phase 1" und "Phase 2" beschriebenen Verhaltensmuster zurück - allerdings mit einem grossen Unterschied: die Gemütswellen gehen weniger hoch, und sie manifestieren sich heute viel weniger in meinem Leben, meinen Entscheidungen und meinen Beziehungen. Das heisst, ich komme schneller wieder zurück zu meiner Flexibilität, Kreativität und Entscheidungsfähigkeit.

Konkret sieht das zum Beispiel so aus: Jemand hat einen grossen Wunsch an mich. Ich spüre dabei intuitiv noch andere Gefühlsebenen und Wünsche oder projiziere meine eigenen Erfahrungen mit hinein... Z.B. meine ich vom andern noch zu vernehmen "ich wäre sehr enttäuscht, wenn es nicht klappen würde..." Spontan bin ich nicht begeistert, und bevor ich auf drei zählen kann, beginne ich zu 'rotieren' und merke, wie die alte Tendenz spürbar wird, in einer Art momentaner Überforderung einfach alles abzublocken und in Panik zu geraten. Dieses "Drama" kann ich meistens noch nicht auf Befehl abschalten, - es kann sich immer noch wie ein Wirbelsturm in mir aufbauen.
Aber ich kann mich jetzt mit meinem Wissen und meiner Vernunft einschalten und mir selber helfen: "Achtung, jetzt nicht agieren! - JETZT BRAUCHE ICH ZEIT!" Und damit gebe ich mir die Chance, diese "Welle" abebben zu lassen - bis zu einem Gefühl der Erleichterung: Aha! Ich "muss" ja gar nicht! Niemand kann mich zwingen, ich darf "nein" sagen... Oder "ja", - wenn ich wirklich möchte, was ich oft im anfänglichen "Wirbelsturm" gar nicht spüren kann...
Erst in dieser Phase der Erleichterung spüre ich dann, was ich wirklich will. Meine Differenzierungsfähigkeit kommt wieder zurück, und ich merke, dass es ja auch kreative Lösungen gibt. Einen Teil des Wunsches erfülle ich vielleicht gerne, und nur ein Punkt hat mich gestresst oder gelähmt. Dann kann ich zum Beispiel sagen: "Du, die Idee finde ich super, - aber bei diesem Punkt kann ich nicht mitmachen..."

Eine wichtige Erkenntnis in diesem Lernprozess war: Die Unfähigkeit, mich abzugrenzen, zielt generell eigentlich gar nicht auf den Mitmenschen, der etwas von mir will, sondern auf meine eigenen, uralten Reaktionsweisen. Diese sind es, die mich stressen, nicht der Mensch, der etwas von mir möchte.

Ob es in Zukunft im weiteren Lernprozess, der ja nie zu Ende ist, noch einfacher wird? Ich weiss es nicht. Aber ich bin zufrieden mit dem Niveau, das ich inzwischen erreicht habe. Wenn ich zum Beispiel mit sechzig zu joggen beginne, kann ich auch nicht erwarten, dass ich es irgendwann noch auf das gleiche Niveau bringe wie ein, seit Jugendzeiten geübter junger Langstreckenläufer. Aber ich kann trotzdem lernen zu joggen.

Tipps für 'äussere' Abgrenzung:

  • Wenn wir Mühe mit 'äusserer' Abgrenzung haben und dies ändern möchten, fallen wir oft zuerst ins andere Extrem unseres bisherigen Verhaltensmusters. Das gehört zu einem Lernprozess, wir müssen uns darüber nicht ärgern. Für praktische Anregungen zum "Abgrenzungstraining" siehe auch die "Praktischen Tipps".
  • Oft steht hinter mangelnder Abgrenzung Angst vor Liebesverlust. Machen wir uns klar, was wir tatsächlich verlieren können und ob es sich lohnt, dafür auf Eigenständigkeit zu verzichten. Machen wir uns auch klar, was wir gewinnen können, wenn wir diese Verlustangst überwinden.
  • HSP, die in Abgrenzungs-Situationen in innere Not (Panik, Lähmung, Abwehr...) geraten, sollten alles daran setzen, sich auf irgendeine Weise Zeit zu verschaffen. Ein psychisch 'gelähmter' Mensch ist nicht in der Lage, für sich einzustehen und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Also: nicht übereilen und agieren, sondern abwarten, Zeit verstreichen lassen, bis die "Welle" sich wieder legt.
  • Natürlich gelingt es nicht immer, Fehlentscheidungen aus "Abgrenzungsnot" zu vermeiden. Es ist durchaus erlaubt - auch wenn einem das dann sehr unangenehm und peinlich sein kann, dass man in solchen Fällen zu sich steht und einen Rückzieher macht. Es fällt uns kein "Zacken aus der Krone", wenn wir uns korrigieren und jemandem z.B. ehrlich sagen: Das ging mir jetzt alles zu schnell. Ich habe es mir nochmals richtig überlegt...
  • Eine wichtige Erkenntnis ist, dass es meistens weniger um das Objekt unserer Abgrenzung geht (also z.B. um den Menschen, von welchem wir uns abgrenzen wollen), sondern viel mehr um unsere eigenen eingeprägten Verhaltensweisen: Ich selber bin mein Drama, in mir selber entstehen diese Stürme und Ängste und diese Mühe, nein zu sagen. Dies ist oft eine schwierige Erkenntnis, denn wir würden gerne den anderen verantwortlich machen, ihn vielleicht doof finden, damit uns das "nein" einfacher fällt. Aber seien wir ehrlich: es geht dabei um uns selber.
  • Lernprozesse brauchen Geduld: Häufig können wir alte Ängste, Impulse und Verhaltensmuster nicht völlig aus unserem System löschen, - unsere alten Reaktionsweisen klingen oft noch lange in uns nach. Aber wir können lernen, mit ihnen besser umzugehen und ihnen nicht mehr so ausgeliefert zu sein. Erlauben wir uns kleine Schritte, die dafür dann "sitzen". Schauen wir öfters zurück und und freuen wir uns über Fortschritte, die wir gemacht haben. Erwarten wir ausserdem keine perfekten Ziele wie z.B. "Wenn ich es dann definitiv geschafft habe, dann läuft alles rund."
  • Nicht vergessen: In der mangelnden Abgrenzungsfähigkeit vieler hochsensibler Menschen liegt auch das Potenzial einer grossen Einfühlungskraft.
  • Zusammengefasst kann gesagt werden: 'Äussere Abgrenzung' braucht unsere Bereitschaft, mit Ausdauer und Geduld ein "persönliches Abgrenzungstraining" zu beginnen - ohne uns einem hohen Leistungsideal auszusetzen. Abgrenzung hat nichts mit Leistungsstress zu tun, sondern mit persönlicher Wertschätzung, Erkenntnis und Akzeptanz des eigenen Wesens. Es geht um uns als ganzen Menschen, darum sollte dieses "liebevolle Training" auch auf allen Ebenen des Seins stattfinden:

'Innere' Abgrenzung

'Innere' Abgrenzung ist deshalb schwieriger zu lernen, weil wir sie auf Anhieb weniger bewusst wahrnehmen. Wenn etwas von aussen auf uns zu kommt, ein Wunsch, eine Einladung, ein Anspruch, ein Befehl, eine Schwierigkeit, eine Emotion, eine Aggression etc., dann können wir wenigstens "orten", woher dieser 'Input' kommt, auch wenn es schwierig sein kann, sich davon abzugrenzen. Wenn jedoch die Quelle eines 'Inputs' nicht klar zu erkennen ist - wie sollen wir uns dann davor schützen?

Um inneren Abgrenzungsschwierigkeiten (die häufig mit einer gut entwickelten Empathie/Einfühlungskraft zusammenhängen) auf die Schliche zu kommen, kann es auch einmal sein, dass wir uns eine Therapie, Supervision oder Beratung... gönnen sollen. Unterschwellige Abgrenzungsprobleme können so subtil ablaufen, dass es schwierig sein kann, ohne Unterstützung weiter zu kommen.

Beispiele:

  • In einer Gesprächsgruppe hält sich A. immer auffällig zurück und erzählt kaum etwas von sich. Im Verlauf des Gesprächs beginnt ihre Sitznachbarin L. zu weinen, sie "weiss aber nicht wieso", sie sei "plötzlich grundlos traurig geworden". Die Gesprächsleiterin führt die Gruppe zu einem Punkt, wo klar wird, dass A. eigentlich traurig ist, ihre Traurigkeit jedoch zurückhält. L. hat diese unausgesprochene Trauer quasi "übernommen" und ausgedrückt.
  • Ein Leser schrieb, er sei mit dem Auto in der Schweiz unterwegs gewesen, als zur selben Zeit in Peru ein grosses Erdbeben stattgefunden habe. Ohne dies zu wissen, habe er anhalten müssen, ihm sei schlecht geworden und er habe das Gefühl gehabt, die Häuser des Dorfes, durch welches er gerade fuhr, würden zusammenfallen.
  • Der vierjährige N. rennt auf die Mutter zu, um ihr eine aufregende Geschichte aus dem Kindergarten zu erzählen. Die (zur Zeit depressive) Mutter hört mit abwesendem Blick zu und zwingt sich zu ein paar bestätigenden Worten. Der Sohn fragt verwirrt "Was hast du?" "Gar nichts!" sagt die Mutter und versucht zu lächeln.
  • Eine (hochsensible) junge Ärztin arbeitet in der onkologischen Abteilung einer Kinderklinik. Sie liebt die Arbeit dort, fühlt sich im Team wohl und hat einen guten Draht zu den kranken Kindern, und trotzdem geht es ihr sukzessive schlechter (depressive Verstimmungen, Schlafprobleme, Verdauungsprobleme, grosse Müdigkeit). Ein plötzlicher nervlicher Zusammenbruch bringt ans Licht, dass die junge Frau nicht wahrheben wollte, wie nahe ihr die Schicksale der krebskranken Kinder tatsächlich gingen. Sie konnte sich innerlich nicht abgrenzen vom Leid der Kinder und ihrer Eltern.

Fazit:

Hochsensible Menschen sind emotional sehr berührbar, und ihre Wahrnehmung umfasst häufig auch Unterschwelliges, Unausgedrücktes. Wenn sie z.B zu einer Menschengruppe stossen, spüren sie sehr schnell die momentane Stimmung in der Gruppe. Sie nehmen Reizfaktoren auf, Gefühle anderer, Atmosphären, sie leiden auch häufig unter äusseren Einflüssen wie Wetterschwankungen, Vollmond etc. Dies alles ist ihnen jedoch nicht immer klar bewusst und kann deshalb zur inneren Belastung und Reizquelle werden.

Viele Hochsensible berichten auch - wie aus dem zweiten Beispiel ersichtlich ist - von Wahrnehmungen oder Erschütterungen, die über unsere "normalen" Wahrnehmungen hinausgehen - und ebenso zu grossen persönlichen Belastungen führen können, wenn sie nicht erkannt, akzeptiert und wenn möglich sogar kultiviert werden (es handelt sich ja bei einer solchen Wahrnehmung eigentlich um eine Gabe).

"Doppelbotschaften" können für Hochsensible besonders verwirrend sein: Das Kind im dritten Beispiel nimmt klar wahr, dass es der Mutter schlecht geht, bekommt aber keine Bestätigung für seine Wahrnehmung. Die Mutter will es nicht belasten und erreicht damit eigentlich das Gegenteil: Wahrnehmung und Antwort decken sich nicht, und falls sich solche Doppelbotschaften wiederholen, wird das Kind mit der Zeit an seinen Wahrnehmungen - und damit an sich selber zweifeln: es hört auf, seinen Wahrnehmungen zu vertrauen.

Das vierte Beispiel zeigt ein häufiges Phänomen bei Hochsensiblen: Gerade wenn ein Beruf, eine Aktivität, eine Beziehung, eine Unternehmung - oder was auch immer - grundsätzlich als positiv und erfüllend wahrgenommen wird (ebenso aber auch, wenn man unter Druck steht), werden innere Überforderungs-Signale gerne "überhört". Der innere Überreizungs-Pegel steigt an - und mündet irgendwann in Symptome, wenn nicht sogar in Krankheit oder Kollaps.

Tipps für 'innere' Abgrenzung:

  • Selbstvertrauen, Selbstsicherheit: Viele Hochsensible empfinden sich seit der Kindheit als "irgendwie anders" - und damit als "nicht richtig". Daraus erfolgt der Versuch, sich ständig anzupassen, was zur Folge hat, dass man der eigenen Wahrnehmung nicht mehr vertraut und daher auch kein Selbstwertgefühl entwickeln kann. Arbeit am Selbstvertrauen und an der Selbstakzeptanz ist daher sehr wichtig. Es gibt heutzutage Kurse, die auf die Entwicklung von Selbstvertrauen und Durchsetzungskraft fokussieren. Lesen Sie z.B. ganz unten bei "Fallbeispiele" unter "Selbstverteidigung" nach. Schauen Sie z.B. auch im Internet nach, - es gibt Kurse, Workshops, Selbsthilfegruppen... zu diesen Themen (siehe auch Aktuelles in Kürze auf dieser Website). Auch eine Therapie kann helfen, das Selbstwertgefühl zu stärken.
  • Beobachtung/Reflektion: Wichtig ist, dass ein Prozess des Umdenkens in Gang gesetzt wird. Die oft erwähnte Begabung Hochsensibler zur Reflektion können wir hier benutzen, um uns Fragen zu stellen. Z.B. Wo, wie, wann... fühle ich mich "falsch" oder "anders", passe ich mich zu sehr an, sorge ich nicht richtig für mich selber? Wie fühle ich mich in solchen Situationen? Betrifft es mehr den privaten oder mehr den beruflichen Bereich? WAS MÜSSTE ICH ÄNDERN? Was kann ich jetzt schon ändern? Wozu brauche ich vielleicht Unterstützung?

"Vermischung":
Was gehört zu dir? Was gehört zu mir?

  • Wo höre ich auf - wo fängst du an? Irgendwann lernt das Kind in seiner Entwicklung "nein" zu sagen: dann nämlich, wenn sein Bewusstsein über das eigene "Ich" erwacht und es lernt, dass es eine eigenständige Persönlichkeit ist. Hochsensible, die häufig besonders empathisch (einfühlsam) veranlagt sind, brauchen dazu manchmal mehr Zeit, da sie oft auch die Gefühle anderer "mit-spüren" und sich die Grenzen zwischen dem "Ich" und einem "Du" vermischen können. Kinder - besonders hochsensible - brauchen daher dringend ehrliche authentische Bezugspersonen, um sich über Gefühle - eigene und fremde - klar zu werden. Gelingt dies nicht, gehören viele später zu den Menschen, die ihre Gefühle oft auf Anhieb verdrängen und z.B. immer lächeln, auch wenn sie traurig oder wütend sind. Oder die dazu tendieren, die Gefühle anderer mit den eigenen zu vermischen. Solche 'Vermischungen' können zu diffusen Schwierigkeiten führen. Am besten gewöhnt man sich im ganz normalen Alltag an, immer mal wieder kurz innezuhalten, durchzuatmen - und sich der eigenen Gefühlslage bewusst zu werden. Bei 'Gefühlsvermischungen' im Kontakt mit den andern ist es wichtig zu lernen: auch wenn ich z.B. Trauer wahrnehme, muss ich deswegen nicht auch traurig werden. Erst wenn wir uns über unser Gefühlsleben bewusst werden, kann die Fähigkeit zur Empathie zu einem nützlichen und hilfreichen Instrument werden.
  • "Seelenhygiene": Die meisten Menschen achten heutzutage auf tägliche Körperhygiene, auf Sauberkeit des Körpers, der Kleidung, vielleicht machen sie im Frühjahr eine Entschlackungskur und achten auf wertvolle Ernährung... Für den Körper wird also oft gesorgt, und vielleicht sehen wir äusserlich piekfein aus. Dabei vergessen wir jedoch häufig, wie schmuddelig und durcheinander sich unser Innenleben manchmal anfühlt: Was haben wir alles "runtergeschluckt"? Was müsste in unserer Seele "entrümpelt" oder "entgiftet" werden? Haben wir wichtige Auseinandersetzungen zur Seite geschoben, gibt es Unfertiges zu vollenden, unterschwellige Gefühle wahrzunehmen? Abgrenzung ist auch durchaus etwas ganz "Praktisches": mit sich selber ehrlich zu Rate gehen und "aufräumen", eine Liste machen, was zu erledigen ist - und eine passende Art finden, auch die Seele von Zeit zu Zeit zu entlasten, zu "entrümpeln". Schauen wir ehrlich hin. Was uns bewusst wird, können wir bearbeiten oder ausdrücken auf unsere Weise, vielleicht "besingen", "betanzen" oder beweinen, es malen oder jemandem anvertrauen... - vielleicht unsere Kraft spüren mit Sport oder Kampfsport... - oder ein Gefühl ehrlich ausdrücken.
  • Stärken und Schwächen akzeptieren: Zum Thema Abgrenzung ist oftmals auch die Einsicht nötig, sich einzugestehen, dass nicht alles machbar ist: Beim hochsensiblen Wesen ist eine gewisse Abgrenzungsschwäche auch Teil der eigenen Natur - und der persönlichen Stärke. Wir können uns zwar weniger gut abgrenzen, dafür aber umso besser mit anderen "mitschwingen" und mit der Welt in Resonanz treten. Alles ist Stärke und Schwäche zugleich. Erfahren wir unsere momentane Abgrenzungsfähigkeit noch als Schwäche, hilft es auf dem Lernweg, sich bewusst zu sein, dass in dieser "Schwäche" genauso eine potentielle Stärke enthalten ist, die es zu entwickeln gilt.
  • Abgrenzung und Offenheit: Kürzlich fragte ich meine Tochter, was sie unter 'Abgrenzung' verstehe, und ihre spontane Antwort war: "Echte Abgenzung ist nur möglich, wenn das Herz offen ist". Unser Herz ist offen, wenn wir uns wohl fühlen, wenn wir für uns selber sorgen und gleichzeitig die Mitmenschen in ihrem Sosein ohne dauernde Kritik wahrnehmen können. Ein offenes Herz sagt "sowohl- als auch" (und nicht "entweder-oder"). Es macht uns bewusst und stark und trainiert uns, im Augenblick präsent zu sein. Allzu schnell denken wir beim Thema Abgrenzung an Mauern oder Schutz gegen Bedrohung - und viel weniger daran, uns auf unsere persönliche Art zu öffnen für das Leben in seiner ganzen Bandbreite. Abgrenzung darf keine Mauer mit Stacheldraht sein vor lauter Angst, sich nicht abgrenzen zu können. Denn die Welt braucht ja gerade hochsensible Offenheit und Einfühlung. Je mehr wir es auf unsere persönliche Art verstehen, diese Einfühlungskraft zum "Arbeitsinstrument" zu machen und ihr gleichzeitig nicht ausgeliefert zu sein, desto besser können wir lernen, der Welt mit offenem Herzen zu begegnen.

Abgrenzung und Kontakt

Menschen, die sich sehr schlecht abgrenzen können, haben häufig im Kontakt mit anderen Menschen Übergriffe erfahren, das heisst: man hat auf irgendeine Art von früher Kindheit an ihre Grenzen nicht respektiert.

Beispiele:

  • Bei einer harten, strengen Erziehung hat ein Kind selten die Chance, eigene Massstäbe und Grenzen zu entwickeln: sie werden ihm vorgegeben, und wenn es nicht stark oder rebellisch veranlagt ist, wird es sich meistens auch später nach vorgegebenen Grenzen richten.
  • Bei einer verwöhnenden Erziehung geschieht häufig dasselbe mit umgekehrten Vorzeichen: dem Kind werden so wenig Grenzen gesetzt, dass es gar kein Gefühl dafür entwickeln kann und seinen Willen als grenzenlos erfährt. Oft kann es dann die Grenzen eines andern Menschen überhaupt nicht respektieren.
  • In einer unklaren Erziehung (mal streng, mal verwöhnend) verwischen sich die Grenzen auf undurchsichtige Weise, und das Kind kann sich auf nichts verlassen. Dies macht es auch sehr schwer, ein Gefühl für eigene Grenzen zu entwickeln.
  • Kinder, die Übergriffe bis zu schwerem Missbrauch erlebt haben, erfahren auf schmerzhafte Weise, dass man mit ihnen "machen kann was man will". Daraus resultiert häufig ein unterschwelliges Gefühl des "Schlechtseins" ("es muss an mir liegen, dass man mich so behandeln darf"). Ein derart 'ohn-mächtiges' Kind ist nicht in der Lage, sich zu schützen und eigene Grenzen wahrzunehmen und lässt es im weiteren Leben häufig weiterhin unbewusst zu, dass man seine Grenzen nicht respektiert.
  • Hochsensible Kinder sind speziell anfällig für Abgrenzungsschwierigkeiten, weil ihre Wahrnehmung Grenzen überschreiten kann. Sie spüren sehr viel - auch von der Gefühlswelt anderer und übernehmen oft auch deren Gefühle, da sie nicht zwischen innen und aussen unterscheiden können. Sie brauchen besonders viel Unterstützung und Klarheit, was eigene Grenzen anbelangt.

Es lohnt sich wirklich, bei mangelnder Abgrenzungsfähigkeit, einen Entwicklungsprozess anzustreben, um "nachzulernen", wie befreiend es ist, sich auf sich selber verlassen zu können - und auf die Fähigkeit, klare Grenzen zu setzen.

Eine wichtige Bemerkung zum Schluss: Abgrenzungsschwierigkeiten können echten menschlichen Kontakt sehr erschweren.
Den Mitmenschen wahrzunehmen als das, was er wirklich ist, ist nicht einfach, wenn wir ihn ganz von unserer persönlichen Warte und von unseren Gefühlen aus beurteilen. Auf diese Weise mischen wir unsere eigenen Wahrnehmungen, Bilder und Assoziationen mit hinein, und der Mitmensch ist - schon bevor wir ihn tatsächlich kennen lernen - von uns bereits "eingestuft" (ob negativ oder positiv macht dabei keinen Unterschied).

Echte Konktaktaufnahme heisst demgegenüber: sich die Zeit nehmen, ein anderes menschliches Wesen mit Respekt und Interesse wirklich kennenzulernen (z.B. auch die eigenen Kinder...)
Wir mögen ein noch so gutes "Gespür" für andere haben: auch wir schätzen es nicht, von den Mitmenschen lediglich auf deren "Gefühlsgrundlage" - wie es gerade passt - eingeschätzt zu werden.

Eine gesunde Abgrenzungsfähigkeit zu trainieren hilft also nicht nur uns selber, - sie ist ein positiver Beitrag an unsere Gesellschaft.


Für praktische Anregungen zum Thema noch einmal der Hinweis auf die praktischen Tipps

Fallbeispiele, Beiträge

(wird noch fortgesetzt, - Beiträge von Leserinnen und Lesern sind willkommen)

BEWUSSTWERDUNG ÜBER ABGRENZUNG Nov. 2017
Liebe Frau Schauwecker, daß das Thema "Abgrenzung" für mich eines ist, habe ich erst kürzlich durch einen unwahrscheinlichen Zufall erfahren. Ich bin von einem hochsensiblen Fotografen porträtiert worden. Die Bilder aus dieser zweistündigen, sehr intensiven Session zeigen wie in einer Serie, wie ich nach und nach "aufmache", mich in der geschützten, sensiblen, positiven, achtsamen, auch künstlerischen Atmosphäre öffne. Ich lege (auf den Fotos deutlich sichtbar) eine Maske ab und zeige nach und nach meine Seele. - Ich wußte schon direkt nach der Session, noch bevor ich die fertigen Fotos gesehen hatte, daß etwas passiert war, denn ich fühlte mich tagelang extrem verletzlich und weinte viel - trauerte, wie ich inzwischen weiß. Denn ich hatte gemerkt, wie hart und weltabweisend die Maske geworden war, die ich mir vor langen Jahren übergezogen hatte, um mich abgrenzen zu können, und wieviel ich dadurch verpaßt hatte. Ich wußte, daß ich mich einst intuitiv mit dieser Ritterrüstung samt eisernem Helm und Visier geschützt hatte, aber ich wußte nicht recht, wovor. Denn mit dem geschlossenen Visier konnte ich mich doch bestens abgrenzen! Nur war ich eben nicht grenzensetzend (also achtsam auf mich), sondern bloß abweisend, aggressiv, verletzend.
Die absolut positive Erfahrung der Visieröffnung in der Fotosession ermöglicht es mir jetzt endlich, an meiner Abgrenzungsfähigkeit zu arbeiten. Ein großes Geschenk, das ich mit 46 Jahren erhalten habe! S.


WAS HEISST ABGRENZEN KONKRET?
Sehr geehrte Frau Schauwecker, nach langem Suchen, habe ich nun Dank Ihrer homepage endlich Antworten gefunden. Vielen Dank! Eine bohrende Frage bleibt jedoch: Wie sehen Grenzen genau aus? Wie kann ich wissen wann und wie Grenzüberschreitung (innerlich und äusserlich) stattfindet, wenn ich die Grenzen nicht kenne? Leider helfen mir Äusserungen wie, das ist individuell verschieden und die muss jeder für sich selbst herausfinden, entsprechend was einem gut tut, nicht weiter. Ich weiss nicht was richtig und falsch ist. Hoffentlich, ist meine Nachricht nicht zu verwirrend und ich konnte Ihnen vermitteln, was ich suche. Danke und beste Grüsse, D.H.

Antwort:
Liebe Frau H. Sie schreiben, Sie wissen nicht, was richtig und falsch ist und würden gerne wissen, was Grenzen denn wirklich sind: die Reihenfolge stimmt hier nicht. Natürlich können Sie nicht wissen, was Ihre Grenzen sind, wenn Sie nicht wissen, was richtig und falsch ist für Sie. Grenzen sind keine Theorie, die man "nachmachen" kann bei jemandem, "der es weiss". Sie entstehen in uns selber, wenn wir lernen, was für UNS persönlich richtig und falsch ist und wie wir dafür einstehen können. Das kann in Ihrem Fall momentan zum Beispiel heissen, dass Sie klar deklarieren: "ich kann das nicht, ich kann keine Grenzen setzen, Punkt". Damit setzen Sie bereits eine ehrliche Grenze, nämlich eine Grenze gegen die Anforderungen, welche Sie selber oder andere an Sie richten. Wenn Sie klar machen, dass Sie nicht wissen, was richtig und falsch ist, setzen Sie damit eine Grenze gegen überfordernde Ansprüche und gegen das Gefühl: "ich muss genügen, ich muss es wissen, ich muss es können..."
Erst wenn wir klar deklarieren, was unsere Stärken und Schwächen sind - und wenn wir diese auch kennen, kann ein Lern-Weg beginnen. Ansonsten sind wir immer damit beschäftigt, zu schauen wie "man" es "richtig" macht, was uns nirgends hinführt.

Beim Nullpunkt beginnen, kann eine Erleichterung sein, wo der Weg zu sich selber beginnen kann. Viele hochsensible Menschen durften als Kinder nicht lernen, ihre speziell sensible Wahrnehmung ernst zu nehmen und ein eigenes Gefühl für richtig und falsch und für eigene Grenzen zu entwickeln. Wie sollen sie es dann später plötzlich wissen? Wir kommen nicht ums Lernen herum, denn etwas, was wir nicht gelernt haben, können wir nicht auf die Schnelle nachentwickeln oder nachahmen, es MUSS in uns wachsen. Manchmal braucht es einen therapeutischen Weg dazu, bei mir war das so. Ich hätte es alleine nicht geschafft. Und es ging lange, bis ich den Mut hatte, mit dieser Verwirrung aufzuhören und es nicht mehr allen andern recht zu machen. Einerseits ist die Zuwendung zu sich selbst sehr erlösend, aber sie kann auch ein sehr schmerzhafter Abschied sein von Illusionen über uns selber. Aber darin liegt tatsächlich der Schlüssel zum eigenen Leben.

Wenn ich also an einem Nullpunkt stehe und mir ehrlich sage: "ich kann und ich weiss es nicht", dann habe ich wenigstens einmal eine klare Situation. Und ich kann mir überlegen, was ich tun will. Hilfe und Rat holen? Etwas ändern in meinem Leben? Einen Ratgeber zum Thema kaufen und nur die Punkte ankreuzen, bei denen ich denke: "das spricht mich als Lernpunkt an, da fühle ich mich nicht überfordert..." etc. Ebenso kann uns niemand abnehmen, danach zu forschen was für uns "richtig" und was "falsch" ist. Erst wenn wir spüren "DAS stimmt für mich wirklich hundertprozentig", dann können wir auch im Alltag dazu stehen. Wenn immer Zweifel oder ein Hin und Her bleiben, funktioniert das nicht...
Das alles hat mit Grenzen zu tun, wenn Sie sich z.B. sagen, - so geht es nicht mehr weiter, ich will wissen, was für mich stimmt und was nicht. Ich hole mir Hilfe und Unterstützung, um zu lernen, mich innerlich und äusserlich besser abzugrenzen...
Konnte ich Ihnen einige Anregungen geben? Ich wünsche Ihnen alles Gute und grüsse Sie herzlich,
Marianne Schauwecker


BEITRAG EINES LESERS ZUM THEMA ABGRENZUNG, MÄRZ 17
Sehr geehrte Frau Schauwecker,
gerade bin ich auf ihre sehr hilfreiche Seite gestoßen und habe soeben den wunderbaren Text zum Thema "Abgrenzung" gelesen. Was mir dazu noch in den Sinn kam, was vielleicht auch erwähnenswert wäre:
Jemand, der die eigenen Grenzen nicht wahrnehmen kann, kann auch nicht die Grenzen Anderer wahrnehmen. (Wo ist die adäquate Grenze zwischen "Ich" und "Du"?) Er neigt viel eher dazu, sich in Konzepten (verbreiteteste und daher als Beziehungsnaturgesetzmäßigkeiten erscheinende sind: Schuld & Recht) gefangen/beschränkt/gezwängt zu halten und Projektionen etc. zu generieren und aufrechtzuerhalten. Ich sage, man kann sich sicher sein (auch wenn man es nicht wahrhaben/-nehmen will/kann): Lässt man es zu, dass die eigenen Grenzen überschritten werden (inkl. von sich selbst), überschreitet man auch leicht mal die Grenzen Anderer; lässt man sich von jemandem für etwas vereinnahmen, versucht man auch, Andere für eigene Interessen zu vereinnahmen (Auslagerung); denkt man, man sei für das Wohlergehen Anderer verantwortlich, denkt man auch, Andere seien für das eigene Wohlergehen verantwortlich (PS: wer darüber diskutiert, wofür jemand verantwortlich sei und wofür nicht, diskutiert darüber, wozu derjenige verpflichtet sei und wozu nicht, ist also verhaftet mit dem Doppelkonzept "Recht & Schuld" --> Verpflichtung; anstatt hinzuspüren, was gerade zu tun ist/wäre, das sich wahrlich gut anfühlt/-en würde) ...
Daher gehen i.d.R. auch "Helfersyndrom" und (versuchte) Manipulation/Missionierung/Erziehung/Übergriffigkeit miteinander einher. J.D.


SELBSTVERTEIDIGUNG
(Eine Erfahrung der Website-Autorin)
Ich wollte es früher immer allen Recht machen. "Ja" sagen war höflich, "nein" sagen unhöflich. 'Abgrenzen' war damals ein Fremdwort für mich, und ich habe oft unter dieser Unfähigkeit gelitten. Gottseidank regte mich später eine Freundin dazu an, einen "Model Mugging" Kurs zu besuchen. Das ist kein üblicher Selbstverteidigungskurs, in welchem man mit Kurspartnern arbeitet, die man ja wegen Verletzungsgefahr nicht wirklich als Angreifer behandeln darf: die "Verteidigungshemmung" bleibt da ja trotzdem bestehen.
In dieser Selbstverteidigungsform muss man aber in einer möglichst realitätsnahen Situation wahrhaftig echt kämpfen - gegen einen Angreifer, "Mugger" genannt, der so gut geschützt und gepolstert ist, dass er keine Schmerzen spürt – und man die eigene Schlaghemmung überwinden muss, um ihn mit einfachen Techniken zu besiegen. Ich glaubte zuerst, die Welt gehe unter, als ich mich wirklich wehren musste. Es war mir, als würde sich eine rostige alte Türe bewegen und als würde ich mich endlich aus etwas befreien, das mich jahrelang festgehalten hatte. Jetzt gehe ich anders durch die Welt und getraue mich auch wieder alleine in den Wald, was vorher nicht mehr möglich gewesen ist. Ich bin nicht unangreifbar geworden, aber meine Überzeugung, dass ich ein Opfer sei und mich nicht wehren könne, hat sich definitiv aufgelöst und dem Vertrauen Platz gemacht, dass ich für mich einstehen kann. M.Sch.


INFOS zum hier soeben beschriebenen Selbstverteidigungs-KURS:

Model Mugging in der Schweiz bei 'Impact Selbstsicherheit'

Model Mugging ist (oft unter verschiedenen Namen) auch in anderen europäischen Ländern vertreten.

Informieren Sie sich vorgängig gut über den Kurs und schauen Sie sich vor allem das Video "Kursbesuch bei IMPACT" (anklicken) an (auf der Website-Eingangsseite runterscrollen zum Video). Es gibt einen Einblick in die Kurs-Situation, damit Sie eigenverantwortlich abschätzen können, ob die sehr intensive und realitätsnahe Kurs-Atmosphäre etwas für Sie ist.

Model Mugging wurde in den USA durch einen Karate-Lehrer entwickelt, dessen Schülerin - eine Schwarzgurt-Trägerin! - brutal vergewaltigt worden war. Er fragte sich, warum eine Schwarzgurt-Trägerin trotz kämpferischem Knowhow sich nicht hatte wehren können und fand in minutiösen Untersuchungen heraus, dass es bei Menschen, die sich häufig als Opfer erfahren haben, bei einem (verbalen oder körperlichen) Angriff häufig zu einer Art psychischer "Lähmung" kommen kann, so dass man trotz gelernten Techniken plötzlich nicht mehr fähig ist, sich zu wehren. Vielen Hochsensiblen ist dieser 'Lähmungs-Zustand' in ihrem Leben bekannt, - nur schon, wenn sie sich verbal abgrenzen sollten!

Aufgrund solcher Untersuchungen wurde Model Mugging entwickelt - mit wenigen effektiven Techniken, die sich tief einprägen - und indem eine sehr intensive und realitätsnahe Situation erzeugt wird, in welcher mit Unterstützung der Trainer und der Gruppe dieser geschilderte Lähmungs-Zustand überwunden werden kann.

Wenn wir gelernt haben, uns effektiv abzugrenzen, können Grenzen auch wieder "schmelzen", können wir besser Nähe zulassen, vielleicht sogar auch mal "eins" werden mit uns und der Welt...

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