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Tipps zu den Themen 'Zentrierung' und 'Erdung'

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In diesem Kapitel benutze ich den japanischen Begriff "Hara", welcher - gemäss östlichem Verständnis - ein "Kraftzentrum" im menschlichen Körper bezeichnet. Auch in der chinesischen Medizin ist dieser Punkt (knapp unter dem Bauchnabel) ein Ort, an dem sich die Energie eines Menschen sammelt.
Die Stärkung des Hara bedeutet, dass wir aus uns selber Kraft schöpfen und Kräfte sammeln können, - nicht nur körperliche, sondern auch seelische und geistige Kräfte. Das Bewusstsein über einen "Sammelpunkt der inneren Kraft" kann hochsensiblen Menschen helfen, der Gefahr von Überreizung im wahrsten Sinne des Wortes besser "Stand zu halten". Es ist wichtig, den ganzheitlichen Charakter des hier gebrauchten Kraftbegriffs zu verstehen: es geht nicht (nur) um Körperkraft. Auch ein zart gebauter Mensch kann ein starkes Hara entwickeln - und lernen, auf das innere Kraftpotenzial zu fokussieren.

Ohne ein stabiles Hara kann uns alles, was uns im Leben begegnet, immer wieder "aus unserer Mitte werfen" und von ihr ablenken. Um das Bild des Rades zu verwenden: der unzentrierte Mensch verweilt immer in den vielen verschiedenen Speichen des Rades und an der Peripherie, der zentrierte bleibt im Mittelpunkt, in der Nabe.

Zentrierung ("Centering") alleine genügt jedoch nicht: die Kraft, die wir in uns sammeln und zentrieren, muss gleichzeitig auch geerdet sein (Erdung - "Grounding"), um im Alltag lebendig werden zu können.
Im übertragenen Sinne hilft uns eine gute Erdung auch, unsere Kraft auf den "Boden der Realität" zu bringen, so dass zum Beispiel Pläne und Ideen verwirklicht werden können und es nicht nur bei der guten Idee bleibt.

Zentrierung und Erdung bedingen und ergänzen einander: wenn wir "mit beiden Füssen auf dem Boden stehen" und unsere "Kraft im Bauch" spüren, verlieren wir auch nicht mehr so schnell unser Gleichgewicht und lernen, besser für uns einzustehen.

Tipps für Zentrierung

  • Centering bedeutet das momentane dynamische Gleichgewicht zwischen Stabilität und Flexibilität: zu starre und rigide Strukturen machen uns unbeweglich, wir möchten alles kontrollieren und "im Griff" haben. Zu wenige Strukturen und zu grosse Flexibilität machen uns zu einer "Windfahne", die schnell den Halt verliert und sich in alle Richtungen "verzettelt". Nehmen wir also das Wortpaar "flexibel und stabil" mit hinein in unseren Alltag - als eine Art "Richtschnur"...
  • Die Stärkung des Hara beginnt mit unserem Bewusstsein über dieses Zentrum.
  • Eine uns ansprechende Meditationsform kann unsere Konzentrationsfähigkeit und damit unser Zentrum stärken.
  • Das Erlernen einer Kampfsportart wie zum Beispiel Aikido oder Karate ist ein sehr gutes "Hara-Training".
  • Als Übung den Atem bewusst ins Hara lenken, Hände auf den Bauch, Knie locker
  • Langsame Spiralbewegungen um die eigene Mitte und sie so wahrnehmen
  • Das eigene Gleichgewicht trainieren
  • Bei Gefahr von Überreizung "langsam werden", Aufmerksamkeit nach innen richten.
  • Im Alltag erforschen: wie lasse ich mich "von mir wegbringen"? Wie gelingt es mir, wieder "zu mir zurück zu kommen"?
  • Fast jede Art von Singen oder improvisiertem "Tönen" kann zentrieren, z.B. "Töne aus dem Bauch", "Krafttöne", tiefe Töne auf A, O oder U, Obertongesang etc.

Tipps für Erdung

  • Für alle Menschen ist eine gute Erdung wichtig, besonders jedoch für Menschen mit viel Angst, Panik, histrionischen Tendenzen oder der Neigung zu körperlichen Verkrampfungen.
  • Wir stellen bewusst eine Verbindung zur Erde her: So wie wir den Begriff der "Erdung" im Bereich der Elektrizität kennen (vgl. z.B. Blitzableiter), kann er in ähnlichem Sinne auf den Menschen übertragen werden, indem Energie im menschlichen Körper kanalisiert und bewusst durch die Füsse in den Boden geleitet wird.
  • Dies kann z.B. mit dem Atem verbunden werden: bildhaft verinnerlichen, wie unser Ausatem in den Boden fliesst.
  • Wenn wir dem Ausatem noch entspannte Töne 'mitgeben', wird die Erdung zusätzlich verstärkt. Eine Leserin gibt folgenden Tipp, den sie von einer Schauspielerin gehört hat: das beste Wort um sich zu erden sei "Broooot"!
  • Wir stellen uns vor, lebendige und bewegliche Wurzeln zu besitzen, die das Hara mit der Erde verbinden.
  • Auch unsere Gefühle können wir erden: anstatt dass sie uns destabilisieren, verbinden wir sie bewusst mit "unserem Boden", (drücken sie z.B. auf ehrliche Weise aus, ohne unsere Stabilität aufzugeben).
  • Lockern des Körpers ist wichtig, vor allem auch der Gelenke, des Beckens, des Kiefers, der Knie etc.: in einem rigiden, steifen Körper ist der 'Energiefluss' erschwert, in einem durchlässigen, lockeren Körper fühlen wir uns wohler.
  • Die Füsse (möglichst auch hin und wieder barfuss) den Boden bewusst wahrnehmen lassen, auch bei 'Walking' oder 'Jogging' klarer, bewusster Fusskontakt mit dem Boden
  • Mit rhythmischer Musik (z.B. Afro) einen "erdigen", weichen Kontakt zum Boden aufnehmen
  • Das Bewusstsein zum Boden lenken, uns bildhaft im Boden "verankern"
  • Wenn es schwierig ist, sich im Stehen zu erden, auf den Boden kommen, die Erde spüren
  • Das Getragensein durch die Erde ("Mutter Erde") bewusst wahrnehmen
  • Keine einengenden Kleider tragen
  • Man kann auch mit Imagination arbeiten, vor allem mit Kindern: z.B. die Vorstellung, ein Baum zu sein, dessen Äste sich zum Himmel wenden, dessen Wurzeln aber tief in die Erde reichen...

Dieses Bild mit den Ästen, "die sich zum Himmel wenden", möchte ich noch kurz aufnehmen: Wenn wir lernen, uns zu zentrieren und zu erden, bedeutet dies nicht, dass wir nun schwer, allzu schwer... werden, bis wir "im Boden fast versinken..." Die Erfahrung zeigt vielmehr, dass ein Pendel, welches in eine Richtung schwingt, ebenso weit auch in die andere Richtung zurückschwingen wird. Mit anderen Worten: Je tiefer unsere Verankerung im 'Hier und Jetzt' ist, desto grösser werden gleichzeitig unsere Möglichkeiten, uns "dem Himmel zu öffnen"... (was immer das für jede und jeden persönlich bedeuten mag.)

Und schliesslich noch ein kleiner Exkurs: Wer daran zweifelt, dass man den "Energiefluss" im Körper spüren und beeinflussen kann, soll folgenden "Haltungs-Test" ausprobieren:
Negative Haltung: Strecken Sie zuerst die Beine steif durch, der Rücken ist leicht gebeugt, der Blick gesenkt, lassen Sie Arme und Hände vorne schlaff herunter hängen und atmen Sie oberflächlich. Bleiben Sie eine Weile in dieser Haltung und nehmen Sie wahr, wie sich das anfühlt.
Positive Haltung: Wechseln Sie dann zu folgender Haltung: Die Beine sind locker, die Knie leicht gebeugt, der Rücken ist aufgerichtet, der offene Blick geht geradeaus, bringen Sie eine leichte, 'gesunde' Spannung in Arme und Hände, und legen Sie die Hände auf Ihren Bauch, atmen Sie bewusst, langsam und tief.

Ich bin fast sicher, dass Sie einen Unterschied in Ihrer Befindlichkeit feststellen werden. :-)

Der Baum, das geerdete Wesen

Kein anderes Lebewesen zeigt uns so eindrücklich was es heisst, geerdet und verwurzelt zu sein. Bäume, die einerseits starke Wurzeln haben ("Stabilität"), andererseits aber biegsame Stämme und Äste ("Flexibilität"), können den "Sturmwinden des Lebens" am besten Stand halten.

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