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Kreativ sein

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Da ich mich vor einiger Zeit schon einmal schriftlich mit dem Thema der Kreativität befasst habe, übernehme ich hier – etwas abgeändert und ergänzt – diese zwei Kapitel aus dem Liederbuch "Barfuss über die Erde": "Gedanken zum Schöpferisch-Sein" und "Angesteckt".

Damit möchte ich dazu anregen, nach der eigenen "kreativen Quelle" zu forschen. Oft sind hochsensible Menschen vielseitig begabt, haben aber dennoch das Gefühl, nichts "richtig zu können". Oder es ist ihnen nicht einmal bewusst, dass sie Erfindergeist oder Schöpferkraft besitzen und dass sie - durch eine bewusste Vertiefung dieser "Quelle" - eine Bereicherung und Vitalisierung in ihrem Leben erfahren könnten.

Manchmal genügt es bereits, die Frage nach der eigenen Kreativität überhaupt einmal zu stellen, bei sich nachzuforschen, quasi "die Türe zu öffnen", um dann plötzlich zu entdecken, dass ein Interesse erwacht, eine neue Idee uns "zu-fällt" - oder die Lust nach einer neuen Tätigkeit spürbar wird. Ich habe dieses "Öffnen der inneren Türe" in meinem Leben häufig als wegweisend erlebt. Wartet man jedoch vergeblich auf solche "Eingebungen", gibt es ja heute viele Kursangebote für kreative Tätigkeiten aller Art, von Kunstformen über Computerkurse bis zu ganz speziellen "Hobbys", und man kann sich im Dschungel der Angebote auf die Suche machen.


Gedanken zum Schöpferisch-Sein

Mensch sein heisst auch kreativ sein. Ich glaube, dass wir alle eine oft verschüttete, schöpferische Quelle besitzen, die ein Leben lang nach ihrem Ausdruck sucht: der Mensch ist von Natur aus ein schöpferisches Wesen! Oft geht diese Schöpferkraft auf dem Lebensweg scheinbar verloren, wird unterdrückt, vergessen oder in den Hintergrund gedrängt. Das Wieder-Auffinden dieser Quelle kann ein Weg zu einer neuen, tieferen Lebendigkeit sein.

Oft verbinden wir Kreativsein automatisch mit musischen Tätigkeiten: Malerei, Schriftstellerei, Tanz, Komposition, Arbeit mit Stein, Ton, Holz, Glas...
Schöpferkraft kann sich jedoch in unendlich vielen Ausdrucksformen manifestieren. Ob du deine "Quelle" nun im Garten, am Computer, in der Küche, beim Spiel oder bei der täglichen Arbeit entdeckst, - du spürst sofort, ob du an sie angeschlossen bist oder nicht: Schöpferisch-Sein erfüllt dich immer von Kopf bis Fuss, hat nichts mit Alltagstramp, oft aber mit harter Arbeit zu tun. Es macht Körper, Geist und Seele lebendig und weckt Fragen, Gefühle von Begeisterung und Zweifel. Mit der Zeit beginnst du zu spüren, dass sich deine Kreativität nicht mehr auf ein bestimmtes Thema beschränkt, sondern langsam zu einer Grundhaltung in deinem Leben wird.

Kreativität wird oft mit Begabung in Verbindung gebracht. Begabung spielt jedoch vor allem im künstlerischen Bereich eine Rolle oder kann (muss nicht) richtungsweisend sein, wenn wir uns kreativ betätigen möchten. Kreativität - Schöpferkraft hingegen ist eine Urkraft des Lebens, manchmal sogar des Überlebens. Sie hat zudem auch mit Bewusstheit und Übung zu tun. "Übung macht den Meister", denn die "Meister und Meisterinnen fallen selten vom Himmel"! Oft haben wir uns im Laufe unseres Lebens regelrecht abgewöhnt, schöpferisch zu sein und sind vielleicht zuerst ungeschickt, brauchen Zeit und Ausdauer, um eine verschüttete Begabung oder ein neues Interessensgebiet zum Leben zu erwecken.

Uns muss bewusst werden, dass Vorstellungen, die wir von uns selber haben (z.B. "ich bin kein kreativer Mensch..."), uns oft im Weg stehen und hemmen können. "Vor-Stellungen" sind - wie es das Wort schon ausdrückt - Dinge, die wir vor das, was wirklich da ist, stellen und die mit der Realität oft gar nichts zu tun haben.
Besonders wichtig ist es, die Vorstellung, perfekt sein zu müssen, loszulassen. Der heute weit verbreitete Perfektionismus ist einer der grössten Feinde der Kreativität.


"Angesteckt!"
Ein persönlicher Bericht

Es würde mich interessieren, wie andere Liedermacherinnen und Liedermacher dazu gekommen sind, Lieder zu schreiben. Was mich anbelangt: ich bin angesteckt worden. An einem Konzert des Schaffhauser Liedermachers Dieter Wiesmann bin ich wohl ein bisschen zu nahe beim Bühnenrand gesessen, - und so wurde ich vom unheilbaren Virus der Liedermacherei befallen. Vorher wäre ich nie auf die Idee gekommen, eigene Lieder zu schreiben. Das lag wohl daran, dass ich mit Mozart, Beethoven und vielen anderen Klassikern im Ohr aufgewachsen bin. Wer kommt in solch illustrer Gesellschaft schon auf die Idee, er könnte selber ein Lied verfassen!
Natürlich stiess ich später dann auch auf anderes, weniger illustres Liedgut. Bei den Pfadfinderinnen zum Beispiel sangen wir fröhlich:

"Wir lagen vor Madagaskar
und hatten die Pest an Bord - ahoi!
In den Fässern, da faulte das Wasser,
und täglich ging einer über Bord - ahoi......."

Trotzdem: Lieder blieben für mich "heilige Kühe". Die gab es einfach. Sie standen in Singbüchern und wurden von uns gelernt - basta.
Ich denke, dass es vielen Menschen ähnlich geht und dass durch diese Einstellung viel schöpferisches Potenzial brach liegt.

Als ich meine "Liederquelle" endlich entdeckt hatte, wurde das Liedermachen für mich zu Beginn wie eine Sucht. Ich musste von nun an immer Notizpapier und Bleistift bei mir haben, denn die Lied-Ideen überfielen mich täglich. Meine Familie wartete oft vergeblich auf das Mittagessen: ich sass in meinem Zimmer und dichtete.

Mit der Zeit stellte ich im Ablauf von der Idee zum Lied gewisse Gesetzmässigkeiten fest:
1. Die Idee überfällt mich - der zündende Gedanke - ein euphorisches Gefühl!
2. Irgendwann - meistens, wenn das Lied im Rohbau da ist - kommt ein Absturz. ("Das ist wieder einmal das hinterletzte, was ich da gemacht habe...")
3. Nach einer Weile kommt das Vertrauen in das neu entstehende Lied zurück, und es folgt die Kleinarbeit: das Ausfeilen, das Umformen, bis das Lied "stimmt".

Jede Gemütsverfassung, jede Freude, jeder Ärger, - alles, was mir begegnete, war sofort in Gefahr, von mir vertont zu werden. Ich besang meine Tochter, die sich ein Pony wünschte, die Pubertät meines Sohnes, meine Gänse hinter dem Haus, meine Wut, weil mich jemand angebrüllt hatte... Einmal erhielt ich von Dieter Wiesmann eine Karte aus dem Militärdienst: Er hatte gerade nicht viel zu tun und schrieb deshalb Märchen. Ein Grund für mich, sofort alles stehen und fallen zu lassen und ein Lied zu dichten, in dem die Soldaten für Kriege keine Zeit mehr haben, weil sie mit Märchen-Schreiben beschäftigt sind...

Etwas sehr Wichtiges habe ich in dieser Zeit gelernt: Kreativität kann keine Halbheiten gebrauchen. Sie fordert meine ganze Präsenz. Sie gibt mir die Konzentration auf den gegenwärtigen, intensiven Moment, und sie lehrt mich immer wieder – unabhängig von der Meinung anderer – meinen Weg zu gehen und zu mir zu stehen.

Und noch etwas habe ich herausgefunden: Lieder sind keine "heiligen Kühe", die in Singbüchern ihr Dasein fristen! Lieder müssen zuerst einmal gemacht werden – von Menschen wie dir und mir.

(M.Sch. Aus "Barfuss über die Erde", hundert Songs zu Natur und Umwelt mit ausführlichem Kreativteil. Barbara Gugerli-Dolder und Marianne Schauwecker, Verlag Pestalozzianum und Musikverlag Pan)


Wenn Kreativität zu Kunst wird:

Zoom (128KB)

Girmay H. Hiwet (Copyright beim Künstler)