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Antworten auf häufige Fragen

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Hier werden häufig gestellte Fragen veröffentlicht. Die Autorin der Website, Marianne Schauwecker, gibt Antwort und lädt Leser und Leserinnen - sowie Fachleute etc. ein, die Antworten zu ergänzen oder neue Aspekte hinzuzufügen. (Ergänzungen werden explizit als solche bezeichnet.)

Inhalt:

  • Ist 'Hochsensibilität' schon wissenschaftlich anerkannt?
  • Bin ich nun wirklich hochsensibel?!
  • Kennen Sie TherapeutInnen, die auf HS spezialisiert sind?
  • Gibt es nicht einen besseren Ausdruck für 'Hochsensibilität'?
  • "hochsensibel" oder "hochsensitiv"? Kontroverse und Etymologie
  • Ist Hochsensibilität wirklich keine Krankheit?

Ist 'Hochsensibilität' schon wissenschaftlich anerkannt?

Ein Leser schrieb: "Können Sie mir bitte sagen inwiefern "Hochsensibilität" wissenschaftlich annerkannt ist/nachgewiesen werden kann? (Auf mich treffen sehr viele Punkte zu, ich bin aber der Meinung, dass es bei mir erst durch schwere Ereignisse wirklich ausgelöst wurde, resp. ich mich als hochempfindlich empfand.)"

Für alle, die sich für die Frage interessieren, ob Hochsensibilität als neues Gebiet in der Psychologie schon anerkannt sei, verweise ich in meinem Kapitel "Wissenschaftliches" auf die deutsche Website www.hochsensibel.org, die in einer Rubrik "Regelmässig gestellte Fragen" kurz und prägnant erklärt, was wissenschaftliche Anerkennung bedeutet und wie weit man da bereits ist mit dem Thema der Hochsensibilität. Kurz zusammengefasst: Bis zur wissenschaftlichen Anerkennung ist es oft ein sehr langer Weg, der verschiedene Stadien durchläuft: 1. Fundierte Diskussion des Themas in der Fachpresse, bis man von 2. "herrschender Meinung" oder schliesslich sogar von 3. "allgemeiner Ansicht" sprechen kann. Der Ausdruck 'Hochsensibilität' existiert erst seit 1997 als wissenschaftlicher Terminus Technicus, - das Forschungsgebiet ist also noch sehr jung. Der Gebrauch des Wortes ist heute - gemäss der zitierten Website - im wissenschaftlichen Sinne "zumindest nicht unzulässig".

Aber wissenschaftliche Anerkennung und persönliches Schicksal sind zweierlei Dinge: Wenn jemand sich persönlich vom Thema betroffen, berührt oder angesprochen fühlt und viele Punkte zutreffen, dann wird dies seinen Grund und seine Richtigkeit haben.

Zum anderen Punkt, der in der Frage angesprochen wird (dass Hochsensibilität ev. nicht angeboren, sondern durch schwere Ereignisse erworben sein könnte), möchte ich ebenfalls auf das Kapitel "Wissenschaftliches" verweisen, wo auf diese Kontroverse eingegangen wird. Ausserdem hat Dr. Barbara Schmugge zum Thema "Traumafolgestörung und Hochsensibilität" einen interessanten Artikel für diese Website verfasst, siehe "Trauma und HS" in der Rubrik "Aktuelles/Beiträge".

Bin ich nun wirklich hochsensibel?!

Eine Leserin schrieb etwas verunsichert: "...Aus reiner Neugierde habe ich den Test ausgefüllt und erreichte viele Punkte. Anscheinend habe ich aber gelernt mit meiner "Hochsensibilität" umzugehen, denn sie stellt für mich nur in bestimmten Bereichen im Leben ein Problem dar. Nach dem Test kamen mir aber weitere Situationen in den Sinn, welche wirklich auf die Hochsensibilität zurückzufrühen wären... Trotzdem, da es nur ein Test war, weiss ich nicht genau, wie ich mit dem Ergebnis umgehen soll. Gibt es ein Stelle, wo ich wie nochmals "abklären" kann, wie Ernst zu nehmen dieses Resultat ist?!..."

Viele andere LeserInnen fühlen sich hingegen von der Entdeckung des Themas tief berührt und erschüttert - und möchten dann von mir trotz hohem Testergebnis noch eine zusätzliche Bestätigung haben, ob sie nun wirklich hochsensibel seien.

So eine Bestätigung kann ich natürlich auf Distanz niemandem geben. Hier folgende Antwort:

Testergebnisse können auf eine Hochsensibilität hinweisen, sind aber nicht entscheidend. Elaine Aron, die Pionierin des Themas erklärt, dass auch jemand hochsensibel sein kann, der nur ganz wenige Punkte des Tests erfüllt, diese jedoch in ausgeprägter Form. Genau so kann auch jemand eine hohe Punktzahl erreichen, ohne damit viel anfangen zu können. Häufig sind dies Menschen, bei denen durch die HS kein grösserer Leidensdruck entstanden ist.

Ich empfehle Menschen, welche mir diese Frage stellen, nach ihrem eigenen "Bauchgefühl" zu gehen:
Wenn Sie also beim Lesen eines Buches oder einer Website über HS eine echte Erleichterung spüren oder tief aufgewühlt sind, wenn Sie merken, dass Ihnen grosse Steine vom Herzen fallen und Sie über dieses Thema unbedingt noch viel mehr wissen wollen, dann geht Sie das Thema auch direkt und persönlich etwas an! Es schreiben mir viele Leute, die eine wirklich intensive Befreiung spüren bei der Entdeckung ihrer Hochsensibilität: Endlich - vielleicht erst nach vielen Jahren - wissen sie, was tatsächlich mit ihnen los ist - das ist für viele ein entscheidender Wendepunkt im Leben!
In diesem Fall brauchen Sie auch keine Bestätigung durch Tests oder von einer Fachperson. Da Hochsensibilität keine Krankheit ist (siehe dazu die betreffende Frage weiter unten in dieser Rubrik), genügt in vielen Fällen die "Selbstdiagnose".

Wenn Sie aber - wie im ersten obigen Beispiel - keine Probleme haben mit ihrer Hochsensibilität (und es gibt gottseidank sehr viele HSP, bei denen dies der Fall ist), fände ich es schade, wenn Sie nun nach Problemen quasi suchen würden oder das Gefühl hätten, Sie müssten irgendetwas tun oder irgendwo eine "Diagnose" einholen. Ein besorgter Fokus auf mögliche Probleme kann solche provozieren oder verstärken.

Das Beste ist meines Erachtens, wenn Sie sich in diesem Fall locker - und vorwiegend aus Gründen des Interesses - um Ihre sensible Seite kümmern, falls Sie Lust dazu verspüren! - und sich auch überlegen, welche Begabungen und Stärken Sie daraus ziehen können. Bleiben Sie sich weiterhin klar bewusst, wo Problempunkte liegen und wie Sie diese vermeiden können. Es ist wirklich nicht sinnvoll, wenn die Entdeckung des Themas eher neue Probleme und Grübeleien provoziert: benutzen Sie das Thema vorwiegend, um ein tieferes Verständnis für sich selber zu entwickeln.

Kennen Sie TherapeutInnen, die auf HS spezialisiert sind?

Da mir diese Frage häufig gestellt wurde, entsteht auf dieser Website seit Sommer 2008 eine Liste von TherapeutInnen, BeraterInnen, ÄrztInnen, die sich mit Hochsensibilität auskennen (ebenso eine Liste von Kontaktpersonen und eine Liste von Gruppen für HSP). Diese Listen sind auf die Schweiz bezogen. Für Deutschland und Österreich wird im Kapitel "Hilfe für HSP" auf entsprechende Websites hingewiesen.

Links zu den Listen: von TherapeutInnen/BeraterInnen/ÄrztInnen, von Kontaktpersonen, von Gruppen für HSP

Hochsensibilität gilt in der Psychologie wissenschaftlich gesehen noch als ein "junges" Phänomen, obwohl die Wurzeln der Thematik zeitlich weit zurück reichen. Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass viele Leute, die ich darauf anspreche - auch Therapeutinnen und Therapeuten - den Begriff "Hochsensibilität" als Begriff, wie ihn Elaine Aron gebildet hat, noch gar nicht kennen oder nicht wirklich wissen, um was es sich handelt.

Zudem ist es gerade für HSP nicht immer einfach, im "Therapeutendschungel" die passende Person zu finden. Nicht selten berichten mir Menschen, dass der/die Therapeutin das Thema HS nicht kennt oder ernst nimmt - und somit eigentlich den Hilfe suchenden Menschen auch nicht wirklich verstehen und begleiten kann.

Dabei sollte man doch erwarten können, dass ein/e TherapeutIn nicht spezialisiert zu sein braucht auf Hochsensibilität, um einen Hilfe suchenden Menschen ernst zu nehmen: es gilt als ein Grundprinzip in therapeutischen Berufen, dass ein Klient, eine Klientin "ernst genommen wird", mit welchem Problem auch immer dieser Mensch kommt. Nimmt Sie also ein Therapeut/eine Therapeutin nicht ernst, liegt das nicht an Ihnen oder an der, beim Therapeuten mangelnden Kenntnis über Hochsensibilität, sondern eher daran, dass diese Person offenbar für ihren therapeutischen Beruf nicht geeignet zu sein scheint.
Darum möchte ich alle, die eine therapeutische Begleitung suchen und nicht sofort jemanden finden, der HS bereits kennt, ermutigen, ganz sorgfältig an diese Suche heran zu gehen: in erster Linie zählt in einer therapeutischen Beziehung, dass "die Chemie stimmt", dass der/die TherapeutIn Ihnen das Gefühl vermitteln kann: "da bin ich akzeptiert so wie ich bin, und da begleitet mich ein Mensch, der auch bereit sein würde, sich auf Hochsensibilität einzulassen, falls er darüber noch nicht viel weiss..."
Häufig können einem auch FreundInnen oder Bekannte helfen, die gute TherapeutInnen aus eigener Erfahrung kennen, sonst kann man auch einen Arzt etc. fragen, dem man vertraut.

Gibt es nicht einen besseren Ausdruck für 'Hochsensibilität'?

Es gibt nicht wenige HSP, die sich am Namen "Hochsensibilität" stossen. Normalsensible Menschen, so heisst es häufig, hätten Vorurteile gegenüber dem Ausdruck, oder sie würden sich durch das Wort provoziert fühlen und HS als Thema nicht ernst nehmen. Oft hört man auch, Hochsensible würden sich für etwas Besseres, Besonderes halten (wohl wegen dem Wort "hoch"). Oder: das Thema werde in die "Esoterik-Ecke" geschoben und dort mit allen möglichen anderen Phänomenen verbunden. Das stört viele HSP, so dass sie sich teilweise gar diskriminiert fühlen und den Ausdruck im Austausch mit anderen Menschen lieber vermeiden. Sie wünschen sich einen wissenschaftlicheren oder umfassenderen Ausdruck, um ernster genommen zu werden - z.B. auch von Ärztinnen oder Psychologen, welche das Phänomen noch nicht kennen.

Ich kann dies nachvollziehen und spreche - wenn ich das Thema Hochsensibilität erkläre - meistens zuerst von einer speziellen Art der Wahrnehmung und vom äusserst empfindlichen Nervensystem etc. Erst ganz am Schluss kommt dann die Erklärung, dass dies heutzutage 'Hochsensibilität' genannt werde, - denn ein einmal gebildeter populärwissenschaftlicher Ausdruck lässt sich nur schwer wieder ändern.

Man kann bei einer Erläuterung des Begriffes auch ganz einfach mit der Tatsache beginnen, die wohl jedem Menschen bewusst ist: dass es seit jeher sensiblere und weniger sensible Menschen gegeben hat. Und dass diese Tatsache durch Dr. Elaine Arons Forschungsarbeit jetzt auf dem Weg ist, wissenschaftlich erfasst zu werden. (Vgl. Kapitel Wissenschaftliches)

Elaine Aron prägte zusätzlich als wissenschaftlichen Begriff für Hochsensibilität den Ausdruck "sensory-processing sensitivity", was soviel bedeutet wie "eine Sensibilität, die von einem Nervensystem verursacht wird, das unablässig Informationen mit all ihren subtilen Details aufnimmt und weiterleitet" (Zitat aus der SWR-Radiosendung "Reizüberflutet"). Eventuell wird es bei einmal erfolgter wissenschaftlicher Anerkennung auch einen wissenschaftlichen deutschen Ausdruck geben, doch bezweifle ich, dass im Volksmund der Ausdruck 'Hochsensibilität' je ganz ersetzt wird.

Es gibt Zur Zeit zusätzlich noch Bemühungen, den Begriff Hochsensibiliät durch Hochsensitivität zu ersetzen (-->siehe die nächste Frage: "hochsensibel oder hochsensitiv?"), - das sind wohl unvermeidliche Kontroversen, wenn ein neuer Begriff sich durchzusetzen versucht. Selbstverständlich könnte man auch noch "hypersensibel" sagen, und Georg Parlow spricht in seinem Standardwerk "Zart besaitet" von "Hochempfindlichkeit". Es gäbe sicher noch zusätzliche Kombinationen:-). Meines Erachtens lenken solche Kontroversen von der Hauptaufgabe, der Verbreitung des Themas, nur ab.

Besonders schwierig ist es, wenn Fachpersonen (ÄrztInnen, TherapeutInnen...) nicht informiert sind und HSP nicht ernst nehmen. Die Website www.hochsensibel.org hat in verdankensweiser Art eine "Kurzinformation für VertreterInnen von Heilberufen" (bitte anklicken) verfasst, die von der wissenschaftlichen Sprache her geeignet ist, Fachpersonen auf klare Weise ins Thema einzuführen.

Wichtig ist auch folgender Punkt: Viele hochsensible Menschen erfahren sich in ihrem Leben häufig in der Opferrolle, weil sie jahrelang keine Chance hatten, ihrer Natur gemäss zu leben und weil sie naturgemäss äusserst verletzbar sind. Es ist eine wichtige Aufgabe, unabhängiger zu werden von der Meinung anderer. Angst, nicht ernst genommen zu werden, sollte mit der Zeit einer gesunden Selbstakzeptanz und Eigenverantwortlichkeit weichen, so dass es letztlich weniger wichtig erscheint, wie andere einen beurteilen und was sie über unsere hochsensible Veranlagung denken. So eine Entwicklung braucht Zeit und Geduld und die innere Bereitschaft, die Opferrolle zu verlassen.

Weitere Ausführungen zum Begriff der Sensibilität im Kapitel "sensibel - unsensibel" und in der nachfolgenden Frage "hochsensibel" oder "hochsensitiv?"

"hochsensibel" oder "hochsensitiv"?

wird zur Zeit kurz überarbeitet.

Ist Hochsensibilität wirklich keine Krankheit?

Diese Frage wird mir sehr häufig gestellt, und es werden alle möglichen Krankheiten, Störungen, Syndrome etc. mit Hochsensibilität in Verbindung gebracht.

Überblick:

  • Fallbeispiele
  • "Risikofaktor" Hochsensibilität
  • Spezifische Bemerkungen zu 'Depressionen', 'schwieriger Kindheit', 'Essstörung' u.a.
  • Hilft die Erkenntnis über die eigene Hochsensibilität, wenn man eine psychische Krankheit hat?

Fallbeispiele (Auswahl)

"Psychische Störung" generell
"...ich habe mich gefragt, weil sie schreiben, Hochsensibilität sei keine Krankheit, ob es da nicht doch Überschneidungen gibt. Ich habe eine psychische Erkrankung und frage mich: Wo beginnt die Krankheit? Sind nicht beides Seiten ein- und derselben Münze?..."

Depression
Häufig klagen hochsensible Menschen über Depressionen oder depressive Verstimmungen, die sie während Jahren begleiten. Gibt es Gründe für dieses - wie es eine Leserin ausdrückt - "Doppelpack" Hochsensibilität und Depression?

Essstörung
"...Ich habe seit 4 Jahren Magersucht und habe schon viele Therapien gemacht. Meine letzter Therapeut sagte mir, dass ich mit 100% Sicherheit eine HSP bin. Was ändert das an meiner Situation?"

"...Ich suche nach Antworten und Gründen, nach Zusammenhängen und möglichen Ursachen, die mich vor 20 Jahren an Bulimie erkranken liessen. Auf der Suche nach Antworten, warum ich so bin wie ich bin, stiess ich auf Ihre Seite. ...Ich bin am Aufarbeiten, am Therapieren meiner Krankheit und unglaublich hungrig nach Antworten, Informationen, etc...."

Borderline
"...Nach einer schwierigen Kindheit war ich wegen Depressionen in einer psychiatrischen Klinik und bekam die Diagnose Borderline. Ich war überrascht, wie viel auf mich zutrifft (abgesehen von Selbstverletzungen) und war froh, dass mein Gefühl, "anders zu sein", endlich einen Namen hatte. Nun - nachdem ich deine Website gefunden habe - bin ich verunsichert, denn deine Beschreibungen treffen noch deutlicher auf mein Befinden zu als die Kriterien für Borderline.
Daher meine Frage: Kann man die Hochsensibilität in Verbindung mit Borderline bringen? Oder hat man mir die falsche Diagnose gestellt?"

Angststörungen
sind nach vielerlei Aussagen bei hochsensiblen Menschen auch häufiger anzutreffen.

Hochsensible können zudem anfälliger sein für ein Burnout. Auch AD(H)S wird häufig in einen Zusammenhang mit HS gebracht, ausserdem seltenere Phänomene wie selektiver Mutismus, Misophonie etc.
Zu AD(H)S vergleiche den Beitrag dazu von Birgit Trappmann-Korr auf dieser Website.
Siehe auch den Beitrag "Schizophrenie und HS?"

Es wird hier auf psychische Störungen fokussiert. Selbstverständlich werden auch viele körperliche Störungen mit Hochsensibilität in Zusammenhang gebracht (z.B. Allergien, Unverträglichkeiten etc.)

"Risikofaktor" Hochsensibilität

Zuerst möchte ich betonen, dass die Forschung über Hochsensibilität noch lange nicht abgeschlossen ist (s.o. die erste Frage in diesem Kapitel). Wie der Begriff also nach Jahren wissenschaftlicher Forschung letztendlich festgelegt wird, können wir heute noch nicht sagen.
Nach heute vorherrschender Ansicht gilt Hochsensibilität jedoch nicht als Krankheit, sondern als Veranlagung, siehe auch die Ausführungen im Kapitel "Wissenschaftliches".

Wäre Hochsensibilität eine Krankheit, müssten 15-20 Prozent der Weltbevölkerung a priori krankgeschrieben werden:-). Es ist jedoch so, dass ein grosser Teil der Hochsensiblen mit dieser Veranlagung ein gesundes Leben führt, oft mit speziellen Begabungen und Potenzialen.

Hingegen ist bereits untersucht und bestätigt worden (von der HS-Pionieren Elaine Aron), dass hochsensible Menschen generell anfälliger sind für psychische Störungen. Das neuste Buch von Aron behandelt das Thema, warum der Anteil von 15-20 Prozent der HSP an der Weltbevölkerung ca. 50 Prozent der Klientel von Psychotherapeuten und Psychiaterinnen ausmacht: ein Hinweis darauf, dass Hochsensible (zwar grunsätzlich nicht an einer Krankheit leiden), dass sie jedoch anfälliger sind - gerade für psychische Störungen.

Man findet z.B. das Symptom der raschen Erregbarkeit und Überstimulierung in mehreren psychischen Störungsbildern. Wenn wir nun als Beispiel dieses Symptom nehmen, so wird es klar, dass "rasche Erregbarkeit" an sich sich noch keine eigenständige Krankheitsdiagnose ist. Wir können vom Arzt kein Krankheitszeugnis erhalten, wenn wir lediglich "rasch erregbar" sind. Erst wenn die rasche Erregbarkeit z.B. zu einer Dauer-Überreizung, dann zu Dauerstess - und schliesslich zu einem Burnout mit Depressionen führt, können wir von einer Krankheit sprechen.

Es leuchtet ein, dass ein hochsensibler Mensch mit seiner "dünnen Haut" von Geburt an durch vielerlei Einflüsse schneller und tiefer beeinträchtigt werden kann - beispielsweise durch Stress, Erschrecken, Überreizung, Schocks, Traumata, Verletzungen, Anpasszungszwang, Liebesentzug, unpassende Erziehung, Immissionen aller Art und vieles mehr. Deswegen ist es verständlich, dass ein solcher Mensch "leichter traumatisierbar" ist. Und diese erhöhte Anfälligkeit könnte man dann auch - wie es in einem der Fallbeispiele formuliert wird - als eine "Überschneidung" bezeichnen, welche sich aber von Fall zu Fall individuell gestaltet.

Fazit: Man könnte also sagen, dass Hochsensibilität als Risikofaktor für gewisse Krankheiten betrachtet werden kann.

Spezifische Bemerkungen zu 'Depressionen', 'schwieriger Kindheit', 'Essstörung' u.a.

Depressionen
Elaine N. Aron schreibt in ihrem Buch "Sind sie hochsensibel?", dass sie diesbezüglich "zwei Sorten" von hochsensiblen Menschen entdeckt hat: die einen berichteten, dass sie Depressionen und Ängste hätten, und die anderen erwähnten dies kaum. Elaine Aron fand dann in ihren Forschungen heraus, dass die depressiven und ängstlichen HSP fast immer eine schwierige Kindheit gehabt hatten. Hochsensible neigen dazu, Einzelheiten und Zusammenhänge belastender Erziehungsumstände viel intensiver und ganzheitlicher wahrzunehmen. Das bedeutet, dass ein hochsensibles Kind von früh an viele Belastungen viel intensiver wahrnimmt als ein normalsensibles Kind. Aron schreibt aber, dass sie viele Hochsensible erlebt habe, die dann eben dank ihrer Hochsensibilität auch fähig waren, an den negativen Auswirkungen zu arbeiten und viel Besserung erfahren konnten. Aber das dauere eben seine Zeit...
"Schwierige Kindheit" - ergänzt Aron noch - ist ein weiter Begriff. Hochsensibel zu sein kann für ein Kind in vielerlei Beziehungen eine Belastung sein und schon ohne konkrete erzieherische Einflüsse Schwierigkeiten bereiten.

Zum Begriff der "schwierigen Kindheit"

HSP, die eine schwierige Jugend und/oder Traumata erfahren haben, sind anfälliger für psychische Störungen als 'Normalsensible'. Professor Martin Bohus, der sich intensiv mit der Borderlinestörung auseinander gesetzt hat, setzte für die Entstehung dieser Krankheit zwei Bedingungen voraus, von denen beide erfüllt sein müssen: 1. Eine Veranlagung, 2. Traumata oder andere schwerwiegende Einflüsse in der Kindheit. Zur Zeit des entsprechenden Symposiums über die Borderline-Erkrankung war Hochsensibilität im deutschen Sprachraum noch kein Thema. Es stellt sich daher heute für mich die Frage, ob unter "Veranlagung" z.B. auch Hochsensibilität gemeint sein könnte.

Für Hochsensble muss "schwierige Jugend" keine katastrophale Kindheits-Situation bedeuten. Da sie über eine höchst differenzierte Wahrnehmung verfügen und verletzlicher sind als andere Kinder, können schwierige Kindheitssituationen - entweder im Elternhaus oder im weiteren, z.B. schulischen Umfeld... - auch ganz subtil ablaufen, quasi unterschwellig - und sich mit der Zeit z.B. in einem andauernden Fremdheitsgefühl manifestieren: "ich bin einfach anders als die andern, ich bin einfach nicht richtig, warum kann ich nicht so sein wie die andern..."
Erfährt man als ein solches Kind noch Unverständnis, das vielleicht nicht einmal böse gemeint ist, (z.B. "Sei doch nicht so empfindlich!" Oder "Du musst doch keine Angst haben..." etc.) kann man sukzessive in ein Gefühl hineinwachsen, zutiefst und grundlegend nicht akzeptiert zu werden als das, was man ist - also irgendwie "falsch" zu sein.

Oft weckt ein solch unterschwelliges Gefühl von "nicht richtig sein" auch Selbsthass, - denn in der Kindheit kommen einem die "Grossen" noch allwissend vor: wenn Eltern und/oder Umwelt einen nicht wirklich annehmen können, so wie man ist, nimmt das Kind unbewusst die "Schuld" meistens auf sich. Und dieses kindliche Gefühl von niemals Genügen kehrt sich oft gegen die eigene Person: "ich bin halt nicht fähig, ich bin verrückt, mich kann man nicht lieben, so wie ich bin, nur wenn ich mich anpasse und gleich werde wie die andern, habe ich vielleicht eine Chance..." Anpassungsversuche führen jedoch häufig zu Dauerstress, da es oft fast unmöglich ist für ein hochsensibles Kind, sich von der 'normalsensiblen' Welt abzugrenzen und die eigene Wahrnehmung als stimmig zu erkennen. Hochsensible Kinder brauchen hier besonders liebevolle Unterstützung, den eigenen Weg in diese Welt zu finden und zu lernen, sich abzugrenzen und sich adäquat zu schützen.

Zum Beispiel: Essstörung:
Unterschwellig dauergestresste Menschen haben an sich schon häufig ein gestörtes Verhältnis zum Essen (Stress kann Hunger unterdrücken oder zu grossen Hunger bewirken). Auch Selbsthass begünstigt wiederum Stress - und ausserdem psychische Störungen. Ebenso bewirkt das häufige Problem der mangelnden Abgrenzungsfähigkeit von Hochsensiblen auch oft Mühe zu spüren, was man an Nahrung wirklich braucht.
Sich selber die "richtige Nahrung" zuzuführen - in "richtigem Mass" - ist aber eigentlich ein gesunder Akt der Selbstliebe: "ich gebe mir, was mein Körper braucht". Und diese "richtige Nahrung" können sich viele Hochsensible, die auch im übertragenen Sinne auf psychischer Ebene nie "die wirklich richtige, passende Nahrung" bekommen haben, oftmals nicht mehr geben: Essen wird zur Kompensation. Da braucht es nur irgendeinen Auslöser, und der Weg in eine Form der Essstörung ist vorgebahnt.

Hilft die Erkenntnis über die eigene Hochsensibilität, wenn man eine psychische Krankheit hat?

Wenn Hochsensible krank werden, dann muss diese Krankheit professionell behandelt werden, - da kann leider die Tatsache allein, dass man seine Hochsensibilität entdeckt hat, nicht viel ändern daran.

Daneben ist es aber sehr sinnvoll, wenn man sich ausführlich über Hochsensibilität informiert. Da Hochsensible im Allgemeinen über eine gute Reflexionsfähigkeit verfügen, kann dann ein Prozess des Erkennens beginnen, und vielleicht beginnt man im Rückblick, sich besser zu verstehen, das eigene Verhalten wird klarer, und durch dieses Verständnis kann Selbstablehnung langsam überwunden werden.

Ein nächster Schritt ist, die eigene Hochsensibilität im Leben zu berücksichtigen und ihr auf positive Weise Raum zu geben, damit sie mit der Zeit auch ihr Potenzial zeigen kann. Eine Störung verhindert, dass wir unsere ureigenen Kräfte entwickeln und pflegen können, und das ist eigentlich sehr traurig, denn wir bleiben in unserer Schwäche stecken, anstatt unsere Kraft zu entwickeln. So ist einer der wichtigsten Schritte, die eigene Kraft für sich selber zu verwenden, anstatt sie gegen sich selber zu richten.



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